Onkologie | Mamma 10.07.2019

Karzinom der Mamma: Doppelt hält besser

Bei Katzen mit einem Adenokarzinom der Milchdrüse sollte nicht nur eine Mammaleiste komplett entnommen werden, sondern auch die zweite.

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Foto: Nina Eberle

Einer Katze mit Mammatumor wurde operativ eine Mammaleiste komplett entnommen. Der Tumor war ca. 2,5 cm groß und laut Pathologie Grad 1–2. Es fanden sich multinoduläre, bis apfelkerngroße, tubulopapilläre und zystische Adenokarzinome der Mamma. Blut- und Lymphgefäße waren tumorzellfrei. Tierärztin Stephanie Ernst aus Köln berichtete im fachforum kleintiere: „Leider hat die Katze doch sehr lange gebraucht, um sich nach dem Eingriff zu erholen (die Besitzerin auch ...).“
Ernst fragte sich nun, ob es unter diesen Umständen sinnvoll sei, zur Entfernung der zweiten Mammaleiste zu raten: „Die Besitzerin möchte die zweite Leiste nur entfernen lassen, wenn die Strapazen der OP die Überlebenszeit der Katze signifikant verlängern.“ Während die Entfernung einer kompletten Mammaleiste zum Standard geworden ist, wird die Entnahme der kontralateralen Leiste noch kontrovers diskutiert. Onkologin Nina Eberle konnte die Frage jedoch mit dem Verweis auf eine aktuelle Studie beantworten, die retrospektiv bei 107 Katzen mit Adenokarzinom der Mamma den Zusammenhang zwischen dem operativem Vorgehen und dem weiteren Verlauf untersuchte.

Eine zweifache OP kann die Erkrankung länger ausbremsen
Die Katzen in der Fallserie wurden entweder nur unilateral operiert oder es wurden beide Mammaleisten in einem Eingriff oder in zwei Operationen im Abstand von einigen Wochen entfernt. Eine bilaterale Entfernung führte zu signifikant mehr Komplikationen. Doch das Ergebnis sprach eindeutig für eine Entnahme der zweiten Leiste. Bilateral operierte Katzen hatten sowohl weniger lokale Rezidive als auch weniger Nah- und Fernmetastasen. Eberle erklärte: „Es hat sich gezeigt, dass bei einer beidseitigen Entfernung der Mammaleisten die progressionsfreie Überlebenszeit, also die Zeitspanne zwischen dem Start der Studie und dem Fortschreiten der Erkrankung, bei 542 Tagen liegt. Bei nur einseitiger Mammaleisten­entfernung liegt diese bei 289 Tagen. Daher rate ich immer dazu, nach sechs bis acht Wochen die verbliebene Seite auch chirurgisch zu entfernen.

Auch die Autoren der Fallserie raten zur Entfernung beider Mammaleisten im Abstand von einigen Wochen. Bei einer bilateralen Entnahme in einem einzigen Eingriff war die Komplikationsrate noch höher, in der Erfahrung der Autoren ist auch die Wundspannung bedeutend größer. Warum die bilaterale Entnahme so vorteilhaft ist, bleibt dabei noch unklar. Während Lymphbahnen zwischen einzelnen Mammarkomplexen einer Seite bekannt sind, wurden entsprechende Verbindungen zwischen der rechten und linken Seite bisher nicht nachgewiesen. Ernsts Patientin hat die zweite Operation gut überstanden und war bei Redaktionsschluss über ein Jahr danach noch am Leben. Viola Melchers 

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