Journal Club 16.08.2018

Du bist, was Du isst – gilt das auch für Kälber?

Die Fütterung und Haltung von Saugkälbern ist ein strittiges Thema. Ad libitum oder restriktiv fütten? Gruppen- oder Einzelhaltung? Hier ein neuer Bewertungsversuch.

Studie mit 100 Holstein-Kälbern
In einem Milchviehbetrieb mit 170 Kühen wurden 100 Kälber hälftig auf zwei Management-Strategien aufgeteilt. Gruppe A wurde ab Geburt in Gruppen von je maximal sechs Tieren gehalten und erhielt Milchaustauscher ad libitum. Mit dem Absetzen wurde an Tag 63 begonnen. Tiere der Gruppe B wurden in den ersten 21 Tagen einzeln gehalten, danach aber in Gruppen von je maximal sechs Tieren. Diese Kälber erhielten in der ersten Phase zweimal täglich 2,5 Liter Milchaustauscher, in der zweiten Phase zweimal täglich 3 Liter Milchaustauscher per Trogfütterung. Mit dem Absetzen wurde an Tag 56 begonnen. Ab zwölf Wochen wurden beide Gruppen derselben betriebsüblichen Haltung und Fütterung zugeführt und weiter bis zum Beginn ihrer ersten Trächtigkeit beobachtet.

Deutliche Unterschiede nur am Anfang
Die Wachstumsraten bis zum Absetzen (kg/Tag) waren in Gruppe A signifikant höher, am deutlichsten in den ersten drei Lebenswochen. Während der Body Condition Score bei den Tieren in Gruppe A vor dem Absetzen zunahm, nahm er bei den Tieren der Gruppe B in den ersten vier Lebenswochen ab, vermutlich durch Metabolisierung von Weichgewebe zugunsten des Knochenaufbaus. Das Risiko für Diarrhoe und Pneumonie war jedoch in Gruppe A höher als in Gruppe B (es gab aber keine Todesfälle). Es gab schwache Hinweise, dass die Tiere der Gruppe A etwas früher (ca. 2,3 Wochen) das Zielgewicht von 380 kg für die erste Besamung erreichten.

Wirtschaftlich keine Vorteile
Die Autoren wägen die höheren Kosten der Ad-libitum-Fütterung gegen den wirtschaftlichen Vorteil einer früheren ersten Abkalbung ab. Sie kommen zu einer negativen Bilanz: Zusatzkosten von 84 £ stehen einer Ersparnis von 46 £ gegenüber. Die Anfälligkeit für Diarrhoe und Pneumonie sehen sie nicht als Problem. Sie betonen vielmehr das bessere Wachstum und verweisen auf andere Studien, in denen ein höheres Tierwohl bei Gruppenhaltung belegt wurde. Offen bleibt leider, welchen Anteil nun in dieser Studie die Fütterung und welchen die Haltung der Kälber hat.

CHRISTIANE FETZER

Originalpublikation:
Curtis G, McGregor Argo C, Jones D, Grove- White D (2018): The impact of early life nutrition and housing on growth and reproduction in dairy cattle. PLoS ONE 13(2): e0191687.
DOI 10.1371/journal.pone.0191687