Journal Club 09.12.2003

Durch Ehrlichia canis verursachte Nierenamyloidose

Amyloidose ist der Überbegriff für Erkrankungen mit lokalen oder systemischen Amyloidablagerungen.

Amyloid ist definiert als eine extrazelluläre Ablagerung â-gefälteter fibrillärer Proteine. Neben der primären AL-Amyloidose und der sekundären oder reaktiven AAAmyloidose wird eine hereditäre Amyloidose unterschieden. Als Auslöser für systemische Amyloidosen beim Hund werden chronische entzündliche und neoplastische Prozesse beschrieben. Chronische Antigenstimulation wird als Ursache für glomeruläre Amyloidose angenommen.

An der I. Medizinischen Klinik für Kleintiere der Universität Wien wurde ein 8-jähriger, weiblicher Bobtail wegen anhaltender Anorexie, Lethargie, Polydipsie und Polyurie vorgestellt. Zusätzlich zeigte er seit einem Jahr Gewichtsverlust. Ein sechs Monate zurückliegender Therapieversuch mit Amoxicillin erbrachte keine Besserung. Bei der klinischen Untersuchung fielen unter anderem vergrößerte periphere Lymphknoten sowie urämischer Mundgeruch auf. Die hämatologische Blutuntersuchung ergab erhöhte Werte von Kreatinin (289 mol/L) und Phosphor (3,7 mol/L). Das Blutbild bestätigte eine nicht regenerative Anämie (HTK 13%, 0,09% korrigierte Retikulozyten) und eine milde Thrombozytopenie (106 000). Die Serumelekrophorese wies ein erhöhtes Globulin (53 g/L), aber ein erniedrigtes Albumin (10g/L) auf. Zudem konnte im Kurvenverlauf ein monoklonaler gamma-Peak erkannt werden. Die Harnuntersuchung zeigte ein spezifisches Gewicht von 1025, ein inaktives Sediment und eine deutliche Proteinurie (Protein:Kreatinin- Verhältnis 20.4). Die Polyacryl- Amid-Gelelektrophorese (PAGE) des Uriens wies einen erhöhten Anteil von Albumin auf. Mittels Ultraschall wurden eine hyperechogene Nierenrinde und ein diffuser kortikomedullärer Übergang sowie eine unregelmäßig verdickte Magenwand gesehen. Der Ehrlichose- Antikörpertiter war mit 1:160 positiv. Der zytologische Befund eines Knochenmarkaspirates zeigte ein hypozelluläres Bild mit reduziertem Anteil an Erythroblasten und erhöhtem Gehalt von Plasmazellen und Lymphoblasten. Die eingeleitete Therapie bestand aus der Transfusion von 450ml A-Vollblut und der Verabreichung von Doxycyclin, Ranitidin, Metoclopramid, Ringerlactat-Dauertropfinfusion sowie Eisengaben. 8 Tage später konnte die Patientin in die häusliche Pflege entlassen werden. Während der Kontrolluntersuchung nach einer Woche musste das Tier jedoch euthanasiert werden. Bei der Sektion wurden makroskopisch stecknadelkopfgrosse Veränderungen in beiden Nieren beobachtet. Die histopathologische Untersuchung ergab erweitere Glomeruli und Tubuli, die in der Hämatoxylin-Eosin Färbung mit homogenem eosinophilem Material gefüllt waren. Die Schnitte wiesen im weiteren eine für Amyloid typische Autofluoreszenz auf. Das histologische Färbeverhalten sprach für eine AA-Amyloidose.

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