Journal Club 28.10.2018

Cytauxzoon sp. erstmals bei Katzen in der Schweiz festgestellt

Die von Cytauxzoon felis verursachte Cytauxzoonose ist eine von Zecken übertragene Erkrankung der Feliden. In Europa wurden subklinische und klinische Verläufe beschrieben, letztere oft mit schwerem bis tödlichem Verlauf. Nun hat der Erreger auch die Schweiz erreicht.

Zwei Orte, fünf Tiere
Die hier vorgestellten Fälle betrafen drei Wurfgeschwister (Fälle 1 bis 3, zwei Monate alt) und, davon unabhängig, zwei ausgewachsene Hauskatzen aus einer anderen Ortschaft. Die Welpen waren ungeimpft und hatten vorberichtlich hochgradigen Zeckenbefall gehabt. Fall 4 war nicht geimpft und erhielt keine antiparasitäre Prophylaxe, Fall 5 hingegen wurde regelmäßig geimpft und gegen Parasiten behandelt.

Dauerhafte Parasitämie bei Katzenwelpen
Die Welpen wurden mit mäßiger bis schwerer regenerativer Anämie und intraerythrozytären Einschlusskörperchen vorgestellt. Cytauxzoon sp. wurde mittels PCR und DNA-Sequenzierung nachgewiesen. Bluttransfusion und/oder Therapie mit Azithromycin und Atovaquon führte zur klinischen Heilung und Wiederherstellung der hämatologischen Normalwerte; allerdings blieb die Erythroparasitämie dauerhaft bestehen (mehr als zwei Jahre).

Durch Bluttransfusion übertragbar
Fall 4 wurde mit einer schweren nicht-regenerativen Anämie vorgestellt, Fall 5 war klinisch inapparent und trat zunächst als Blutspender für Fall 4 auf. Im Anschluss an die Blutspende wurden bei Fall 4 intraerythrozytäre Einschlusskörperchen festgestellt. Daraufhin wurden bei beiden Katzen Cytauxzoon sp. nachgewiesen. Fall 4 erzielte unter Behandlung mit Azithromycin, Atovaquon und Immunsuppressiva eine vollständige klinische und hämatologische Heilung. Acht Monate später wurde diese Katze erneut mit einer Anämie vorgestellt, jetzt war jedoch kein Cytauxzoon sp. nachweisbar. Für den Blutspender lagen leider keine Verlaufsdaten vor.

Fazit
Offensichtlich kann Cytauxzoon sp. sich auch bei jungen Welpen und bei regelmäßig antiparasitär behandelten Katzen klinisch manifestieren. Die Infektion kann zu langanhaltenden asymptomatischen Erythroparasitämien führen; es ist daher davon auszugehen, dass Hauskatzen in Europa ein Reservoir für diesen Erreger darstellen können. Da Cytauxzoon sp. durch Bluttransfusion auf andere Katzen übertragbar ist, empfehlen die Autoren ein PCR-Screening für potentielle Blutspende- Katzen.
CHRISTIANE FETZER

Originalpublikation:
Nentwig A, Meli ML, Schrack J, Reichler IM, Riond B, Gloor C, Howard J, Hofmann- Lehmann R, Willi B (2018): First report of Cytauxzoon sp. infection in domestic cats in Switzerland: natural and transfusion-transmitted infections. Parasites & Vectors 11: 292.
DOI 10.1186/s12917-018-1420-5