Anthelminthika | Pferd 25.02.2020

Wissenslücken bei Entwurmung: Es gibt Verbesserungsbedarf

Kein einheitliches Entwurmungsregime, Resistenzen und Verunsicherung: Vier Dinge, die Tierhalter und Veterinäre wissen sollten plus Anregungen, was der Pferdepraktiker besser machen kann.

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Foto: sci/fotolia.com

Wie sieht die gängige Entwurmungspraxis in Deutschland aus und welche Schwierigkeiten gibt es? Mit diesen Fragen hat sich eine aktuelle Online-Befragung unter Tierärzten und Pferdehaltern beschäftigt.

Die Auswertung der Online-Umfrage sowie der Experteninterviews zeigt, dass es gegenwärtig in Deutschland kein einheitliches Entwurmungsmanagement gibt. Eindeutig ist, dass die befragten Tierärzte setzten zur Entwurmung am häufigsten Präparate einsetzen, die makrozyklische Laktone enthalten. Gleichzeitig wird ein regelmäßiger Wechsel der eingesetzten Wirkstoffgruppe empfohlen. Folgende Probleme wurden zudem aufgedeckt:

1. Wirksam war gestern: Immer mehr Resistenzen
Ein Problem in der anthelminthischen Chemotherapie stellen die weitverbreiteten resistenten Parasitenstämme dar. Gegenwärtig existieren keine wirksamen Alternativen zu der Applikation von Anthelminthika für eine effektive Bekämpfung von Parasiteninfektionen. Ebenso ist nicht zu erwarten, dass in den nächsten Jahren neue Wirkstoffe entwickelt und zugelassen werden. Experten plädieren für eine Neuausrichtung der Wurmbekämpfungsstrategien, um die Wirksamkeit derzeit verfügbarer antiparasitärer Wirkstoffe zu erhalten.

2. Verunsicherte Besitzer: Jeder sagt etwas anderes
78,9 % der befragten Pferdebesitzer sahen bei sich selbst einen Informationsbedarf zum Themenbereich Entwurmung. Durch die Fülle an kontroversen (Online-)-Informationen und die verschiedenen Empfehlungen, die von Tierärzten, Literatur und Experten ausgesprochen werden, entsteht große Verunsicherung. Die meisten Tierärzte sind sich dessen bewusst. Sie sollten die Initiative ergreifen und proaktiv versuchen, den Informationsbedarf zu decken bzw. zu vermindern.

3. Für alle das Gleiche: Keine individuelle Betrachtung der Betriebe
Die Ergebnisse des Fragebogens sowie der Experteninterviews legen nahe, dass die strategische Entwurmungsstrategie der dominierende Managementansatz zur Bekämpfung von Parasiteninfektionen bei Pferden in Deutschland ist. Kotproben werden als unsicher angesehen, zudem wird der finanzielle und organisatorische Aufwands der Kotprobenanalysen bemängelt, weshalb sie nach wie vor nicht zum festen Bestandteil eines Entwurmungsmanagements zählen. Dies sollte im Hinblick auf eine gezielte Entwurmung kritisch betrachtet werden. Derzeit wird für die Gestaltung und Umsetzung des Entwurmungsmanagements ein alters- und nutzungsgruppenorientierten Entwurmungsmanagement mithilfe von parasitologischem Monitoring empfohlen. Pferdepraktiker sollten vermehrt diesen individuell an die betriebseigenen Bedingungen und den Pferdebestand angepassten Entwurmungskonzept in Form einer Kombination des selektiven und strategischen Entwurmungsansatzes empfehlen. Ob sich dieser durchsetzt und in Zukunft mehr Kotproben untersucht werden, wird sich zeigen.

4. Auch für Tierärzte läuft die Parasitologie so nebenher: Wissenslücken
In der Umfrage sahen 66,6 % der befragten Tierärzte bei sich selbst einen Informationsbedarf zum Entwurmungsmanagement bei Pferden. Woran kann das liegen? Laut den Experten zählt die Parasitologie meist nicht zu den Schwerpunktgebieten von Tierärzten. Es mangelt an Zeit, sich mit dem Themenbereich Entwurmung intensiv auseinanderzusetzen, zumal durch das Gebiet auch keine große Umsatzsteigerung zu erwarten ist. Lange Zeit war es einfach, da wirksame Präparate zur Verfügung standen. Anzumerken ist, dass dringender Handlungsbedarf besteht, um das anscheinend vorhandene Informationsdefizit bei Tierärzten zum Themenbereich Entwurmung zu beheben.

Fazit für alle Pferdepraktiker - ein paar Anregungen:

  • Bei der Entwicklung eines Entwurmungskonzeptes sind pferde- sowie betriebsindividuelle Voraussetzungen zu berücksichtigen. Zudem müssen der vorliegende Wurmbefall, die Witterung sowie epidemiologische Verläufe beachtet werden.
  • Die Wirksamkeit der eingesetzten Wurmpräparate sollte mindestens einmal pro Jahr überprüft werden.
  • Die zum Einsatz kommende Wirkstoffklasse sollte regelmäßig gewechselt werden.
  • Der Einsatz von Anthelminthika sollte durch Hygienemaßnahmen auf der Weide und im Stall ergänzt werden.
  • Es wird ausdrücklich empfohlen, einen detaillierten Entwurmungsplaner zu führen. Dieser sollte konkrete Informationen über durchgeführte Kotprobenanalysen sowie Entwurmungen für jedes Pferd enthalten. Es wird eine Wurmkontrolle basierend auf einer strategischen Entwurmung in Kombination mit regelmäßigen Monitoringmaßnahmen empfohlen.
  • Die Häufigkeit der festgelegten Entwurmungstermine richtet sich maßgeblich nach dem Alter der zu behandelnden Pferde.

Die vollständige Untersuchung "Entwurmung bei Pferden – Analyse der tierärztlichen Sichtweise" von Madeline Meyer können Sie hier kostenfrei nachlesen.