Journal Club | Kleintiere 23.12.2014

Epilepsie bei der Katze

ANFÄLLE: Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen bei der Katze.

Die Häufigkeit der felinen Epilepsie wird mit ca. 1–2 % angegeben. Zur Ätiologie und Therapie gibt es in der veterinärmedizinischen Literatur vergleichsweise wenige Angaben, in der letzten Zeit wurden jedoch eine ganze Reihe wissenschaftlicher Studien zu Anfallsleiden bei Katzen publiziert. Die Ätiologie der felinen Epilepsie ähnelt derjenigen der caninen Epilepsie. Das klinische Bild ist jedoch unterschiedlich, ebenso wie die Häufigkeit. Die klinische Einteilung der felinen und caninen Epilepsie basiert auf einem aus der Humanmedizin adaptierten Schema, es wird eine primäre (genetische, idiopathische), eine sekundäre (strukturelle) und eine reaktive Epilepsie unterschieden. Im Gegensatz zu anderen Spezies sind tonisch-klonische Anfälle bei der Katze eher selten zu beobachten. Katzen zeigen sehr viel häufiger fokale Anfälle, die mit somatosensorischen Abnormalitäten wie Beißen, Lecken, obsessiver Lokomotion oder auch oroalimentären Symptomen wie z. B. exzessivem Schlucken einhergehen. Daneben existieren dyskognitive Manifestationen mit plötzlichem Erstarren oder mentalen Beeinträchtigungen. Besonders zu beachten ist das feline Hippokampussyndrom, das mit orofazialen Anfällen einhergeht, die in Kombination mit Dyskognition auftreten. Das Syndrom wurde bei einer Gruppe von Europäisch Kurzhaarkatzen beschrieben, beobachtet wurden Hypersalivation, Zuckungen der Gesichtsmuskulatur, Schmatzen, exzessives Schlucken und Pupillenerweiterung. Bei einigen Katzen traten in der Folge generalisierte Anfälle auf. Mittels MRT konnten bilateral ausgeprägte Veränderungen im Bereich des Hippocampus nachgewiesen werden. Histologisch imponierten Degeneration, Nekrosen und neuronale Zellverluste in der Pyramidalschicht. Es besteht der Verdacht, dass es sich um eine limbale Form der Epilepsie handelt. Ein ähnliches Syndrom wurde kürzlich bei einer Gruppe von Katzen beobachtet, bei denen das MRT normale Befunde zeigte. Katzen, die wiederholt Anfälle zeigen, sollten eingehend untersucht werden, um zunächst metabolische und strukturelle Ursachen auszuschließen. Initial sollte eine neurologische Untersuchung erfolgen. Die neuroanatomische Lokalisation ist bei allen Patienten mit Anfällen das Vorderhirn. Ziel der neurologischen Untersuchung ist daher der Nachweis bzw. Ausschluss von lateralisierenden Symptomen mit Ursprung im Vorderhirn, wie z. B. einseitig abgeschwächter Drohreflex bei normaler Pupillenreaktion, einseitige Abschwächung/Abwesenheit des Nasalreflexes und einseitige Störungen der Propriozeption. Katzen mit einseitiger Symptomatik laufen mitunter im Kreis und zeigen Persönlichkeits- und Verhaltensveränderungen, die nur durch eine sehr eingehende Befragung der Besitzer aufzudecken sind. Eine Lateralisierung kann ein Hinweis auf eine strukturelle Ursache sein. Mit einer Epilepsie assoziierte Verhaltensänderungen sind bei der Katze sehr viel subtiler als beim Hund und daher schwieriger zu erkennen. Liegt der Anfall nicht lange zurück, so können postiktale Symptome vorhanden sein, die nicht mit den eigentlichen klinischen Symptomen einer Epilepsie verwechselt werden dürfen. Postiktale Symptome sind immer symmetrisch und verschwinden innerhalb weniger Tage. Die neurologische Untersuchung einer Katze kann schwierig sein, z. B. wenn diese nicht umgänglich ist, in der Praxis- oder Klinikumgebung nicht laufen möchte oder infolge notwendiger oder auch fehlerhafter Fixation erstarrt. Es empfiehlt sich daher, die Abfolge des neurologischen Untersuchungsganges an die individuelle Katze anzupassen und die einfacher durchzuführenden Tests beispielsweise zuerst durchzuführen. Bei allen Katzen mit neurologischen Vorderhirnsymptomen sollten Laboruntersuchungen einschließlich T4- und Gallensäurebestimmungen durchgeführt werden. Die Blutdruckmessung sollte an der unaufgeregten Katze erfolgen. Bei Katzen mit normalen Laborbefunden ist der nächste diagnostische Schritt ein CT bzw. vorzugsweise ein MRT. Liefert das MRT normale Bilder, so sollte cerebrospinale Flüssigkeit gewonnen und untersucht werden (u. a. PCR-Test auf FIP, Toxoplasmen neben der routinemäßigen Analyse). Die Therapie erfolgt wie beim Hund mit antiepileptischen Medikamenten. Bei der Katze müssen jedoch andere Toxizitätsschwellen und Unterschiede in der Metabolisierung der entsprechenden Wirkstoffe berücksichtigt werden. Am häufigsten wird Phenobarbital eingesetzt. Die empfohlene Anfangsdosis ist 2–3 mg/kg per os zweimal täglich. Bis zum Erreichen eines Steady State sind 10–15 Tage einzurechnen. Erst danach sollte eine mögliche Dosisanpassung erfolgen. Zwei bis drei Wochen nach Beginn der Therapie sollte der Serumspiegel kontrolliert werden, eine Kontrolle ist auch nach jeder Dosisänderung erforderlich. Die Erfolgsrate der Phenobarbital-Therapie wird mit 60–80 % angegeben. Bei Katzen kommt es unter Phenobarbital weniger häufig als beim Hund zu einer Polydipsie und Polyurie. Seltenere, dann aber schwerwiegende Nebenwirkungen sind eine akute, idiosynkratische Leber- und Knochenmarkstoxizität. Werden diese Komplikationen früh genug erkannt, sind sie nach Absetzen des Phenobarbitals reversibel. Es sind daher regelmäßige Laborkontrollen indiziert. Im Normalfall reicht jedoch eine ein- bis zweimal jährlich durchgeführte Laborkontrolle aus. Bei der Katze können weitere Nebenwirkungen des Phenobarbitals wie fazialer Pruritus, Gliedmaßenödeme, Thrombozytopenie sowie allergische Reaktionen an Haut und Schleimhäuten auftreten, diese Nebenwirkungen sind jedoch relativ selten. Im Gegensatz zum Hund ist Kaliumbromid zur Behandlung der felinen Epilepsie nicht geeignet, da bei der Katze diverse schwere Nebenwirkungen auftreten, u. a. ein potenziell fatales Bronchialasthma. Zonisamid, ein Sulfonamid, kann im Einzelfall eine Alternative zu Phenobarbital sein, da es offenbar von Katzen gut vertragen wird. Zonisamid wirkt antikonvulsiv, indem es die Calcium- und Natriumkanäle im Gehirn blockiert. Die Anfangsdosis von Zonisamid ist bei der Katze 5–10 mg/kg per os einmal täglich. Die Dosis kann bis auf 20 mg/kg gesteigert werden. Der wissenschaftliche Wirksamkeitsnachweis für Zonisamid fehlt für die Katze jedoch noch. Vielfach werden auch Benzodiazepine wie Diazepam und neuerdings Levetiracetam (20 mg/kg) zur Therapie der felinen Epilepsie in Fällen eingesetzt, in denen Phenobarbital nicht wirksam ist. Potenzielle Nebenwirkungen von Levetiracetam bei der Katze sind Inappetenz und Lethargie, ansonsten scheint Levetiracetam gut verträglich zu sein. Zu beachten ist jedoch, dass Diazepam bei der Katze eine potenziell tödlich verlaufende Hepatotoxikose hervorrufen kann. Daher gilt die orale Gabe von Diazepam für die Behandlung der felinen Epilepsie als obsolet.

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Moore SA (2014): Seizures and epilepsy in cats. Vet Med Res Rep 4: 5.