Ophthalmologie | Pferd 29.05.2020

Equine rezidivierende Uveitis - wie therapieren?

Kontrovers diskutiert: Unterschiedliche Meinungen existieren im Bezug darauf, wie die Mondblindheit beim Pferd zu therapieren ist. Unser aktueller, frei zugänglicher Übersichtsartikel zeigt auf, welche Möglichkeiten es gibt.

 - Tigerschecken-Uveitis: äußerlich kaum schmerzhafte hintere Uveitis beidseits (kaum Lidkneifen, Tränenfluss oder Lidschwellung).
Tigerschecken-Uveitis: äußerlich kaum schmerzhafte hintere Uveitis beidseits (kaum Lidkneifen, Tränenfluss oder Lidschwellung).
Foto: Stefan Gesell-May

Die equine rezidivierende Uveitis (ERU) ist eine wiederkehrende Augenerkrankung bei Pferden, die durch zunehmende Schädigung des Auges zur Erblindung führt. Sowohl über die Ursache, als auch über die Therapie wird weiterhin kontrovers diskutiert. Macht die Vitrektomie unabhängig von positiven oder negativen Leptospirentests Sinn? Handelt es sich um eine immun-mediierte Entzündung? Festzustellen ist, dass sowohl die klinischen Kriterien zur Differenzierung unterschiedlicher Formen der ERU als auch die Bestimmung und Auslegung von Laborergebnissen bei der Untersuchung auf intraokulare Leptospirose sehr unterschiedlich gehandhabt zu werden. Dies könnte der Grund dafür sein, dass die Ansichten zur Ursache und Therapie der ERU stark differieren. Doch welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es und welche werden hauptsächlich angewandt?

Die häufigsten sind die dauerhafte konservative Therapie mit unterschiedlichen nichtsteroidalen und steroidalen Antiphlogistika, die intravitreale Gentamicin-Injektion (low-dose), das subsklerale Einbringen eines Cyclosporinimplantats und die Vitrektomie. Im Bezug auf den Therapieerfolg kommt die Literatur zu unterschiedlichen Ergebnissen:

Vitrektomie
Schinagl (2017) kann Langzeitergebnisse von einem Verfolgungszeitraum von sechs Monaten bis 18 Jahren (Durchschnitt zehn Jahre) präsentieren. Von 654 Augen zeigen 96 % kein Rezidiv nach der Vitrektomie, wobei die antiinflammatorische Behandlung nach Vitrektomie zehn Tage beträgt. Dies bestätigt die Untersuchung von Winterberg (1998), die etwa 20 Jahre zuvor an einer kleineren Probeanzahl und kürzeren Kontrollzeiten ähnliche Ergebnisse hatte.

Intravitreale Gentamicin-Injektion
Bei Fischer (2019) zeigen nach intravitrealer Gentamicin-Injektion von 59 Pferden 88 % keine Rezidive. Allerdings wird der Beobachtungszeitraum von 30-780 Tagen angegeben und eine antiinflammatorische Behandlung von 30-60 Tagen nach der Injektion. Im Beobachtungszeitraum von 356-780 Tagen sind nur 75 % (9/12) ohne Rezidiv.

Konservative Therapie und Cyclosporin-Implantat
Gilger (2010) zeigt auf, dass bei konservativer Therapie 90 % der Augen nach einem Jahr erblindeten. Bei der Therapie mit Cyclosporinimplantat verloren demgegenüber nach durchschnittlich 14 Monaten Verfolgungszeitraum nur 15 % der Augen die Sehfähigkeit. Es ist also von einer Wirksamkeit der Cyclosporinimplantate auszugehen, auch wenn sie nach spätestens vier Jahren erneuert werden sollten und es nur eine Abmilderung der Entzündungsschübe bedeutet.

Den vollständigen Artikel "Die equine rezidivierende Uveitis (ERU): Diskussion von Untersuchungs- und Therapieergebnissen, insbesondere in Bezug auf die Vitrektomie und den Einsatz von Gentamicin und Cyclosporin" von Stefan Gesell-May erscheint in der Juni-Ausgabe von Der Praktische Tierarzt und ist frei zugänglich.