Arzneimittel | Schweiz 20.05.2019

Verschreibungspraxis von Antibiotika bei Katzen

Antibiotikarichtlinien sollen den verantwortungsvollen Umgang mit den antimikrobiellen Substanzen sicherstellen. Doch wie sieht die Wirklichkeit aus? Ein Blick in die Schweiz.

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Resistenzen von Bakterien gegenüber antimikrobiellen Substanzen sind ein natürliches und keineswegs neues Phänomen. Dennoch bereiten die Entwicklungen in den letzten Jahren große Sorge, denn der häufige Antibiotikaeinsatz übt sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin einen enormen Selektionsdruck auf Bakterien aus. Mithilfe von Richtlinien sollen der verantwortungsvolle Umgang mit Antibiotika sichergestellt und der Verbrauch von Reserve- bzw. „unerlässlich wichtigen“ Antibiotika auf ein Minimum reduziert werden.
Ziel der Studie war es, die Verschreibungspraxis für Antibiotika bei Katzen aus dem Jahr 2016 zu untersuchen und herauszufinden, inwieweit dieser Einsatz mit den in der Schweiz gültigen Richtlinien übereinstimmt. Für die Untersuchung wurden Katzen mit akuter Erkrankung der oberen Atemwege (aURTD), Erkrankung der unteren Harnwege (FLUTD) oder mit Abszessen ausgewählt, da bei diesen Erkrankungen häufig Antibiotika eingesetzt werden.

Ergebnisse
Insgesamt wurden 776 Fälle aus den zwei Unikliniken und 14 Tierarztpraxen in der Schweiz untersucht (227 Katzen mit aURTD, 333 Katzen mit FLUTD und 216 Katzen mit Abszessen). Die Mehrheit der Tiere wurde mit Antibiotika behandelt (77 Prozent der Tiere mit aURTD, 60 Prozent der Tiere mit FLUTD, 96 Prozent der Tiere mit Abszessen). Am häufigsten wurden potenzierte Aminopenicilline (40–64 Prozent), Cephalosporine der dritten Generation (25–28 Prozent), Aminopenicilline (12–24 Prozent) und Fluorchinolone (3–13 Prozent) eingesetzt.
In 22 Prozent der aURTD-Fälle, 24 Prozent der FLUTD-Fälle und 17 Prozent der Katzen mit Abszessen stand der Antibiotikaeinsatz in vollem Einklang mit den Richtlinien. Dagegen wurden in 34 Prozent der aURTD-Fälle, 14 Prozent der FLUTD-Fälle und 29 Prozent der Katzen mit Abszessen Antibiotika verabreicht, obwohl keine bakterielle Entzündung vorlag.
Signifikante Unterschiede zwischen Kliniken und Tierarztpraxen gab es bei der diagnostischen Aufarbeitung (Klinik: 58 Prozent, Praxis: 1 Prozent) und beim Einsatz sogenannter „unerlässlich wichtiger“ Antibiotika (Klinik: 10 bzw. 14 Prozent, Praxis: 38 bzw. 54 Prozent, aURTD resp. FLUTD). Insgesamt betrachtet war die Häufigkeit der Antibiotikatherapie aber in Klinik und Praxis vergleichbar.

Fazit
Die Studie hat einige Limitationen: Nicht nur, dass die freiwillige Teilnahme möglicherweise Einfluss auf die Untersuchung genommen hat, da sich unter Umständen gerade die teilnehmenden Praxen der steigenden Resistenzgefahr durch einen unvorsichtigen Antibiotikagebrauch bewusst waren. Da es sich um eine retrospektive Studie handelt, lagen wegen teils mangelhafter Dokumentation auch nicht immer alle Daten und Informationen vor. Zudem wurde die aseptische Urinprobenentnahme für die Keimbestimmung im Urin bei Tieren mit FLUTD als aussagekräftig beurteilt, obwohl diese Art der Probenentnahme die Gefahr von Kontaminationen birgt und zu falsch positiven Ergebnissen führen kann.
Dennoch legen die Ergebnisse aus dem Jahr 2016 alles in allem nahe, dass Antibiotika bei Katzen in der Schweiz häufiger als nötig verschrieben wurden, was nicht im Einklang mit den dortigen Richtlinien steht. Das Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang beim Einsatz von Antibiotika in der Kleintiermedizin sollte laut Autoren weiter verstärkt werden und in der Ausbildung größeres Gewicht bekommen. Inwieweit es hier in den letzten drei Jahren bereits Veränderungen gab, müssten weitere Studien untersuchen. Da gerade bei Katzen offensichtlich auch die Applikationsform der zur Verfügung stehenden Antibiotika einen Einfluss auf die Entscheidung nimmt, welches Antibiotikum verwendet wird, sollte auf die Entwicklung bzw. Zulassung von Antibiotika mit schmalem Spektrum hingearbeitet werden, die eine Applikation erlauben, die auch für Katzen praktikabel ist. Gerda Bäumer

Lest die Originalpublikation hier.