Nutztier | Ethik 08.01.2019

Falltiere: Was können wir Tierärzte tun?

Woran liegt es, dass kranke Tiere in Betrieben übersehen oder zu lange erfolglos behandelt werden? Wie können wir so etwas verhindern, und welche Konsequenzen müssen wir Tierärzte daraus ziehen?

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Foto: Elisabeth Große Beilage

Die Untersuchungen, die Elisabeth große Beilage 2017 in deutschen Tierkörperbeseitigungsanstalten gemacht hatte, brachten erschreckende Ergebnisse. Schonungslos wurden hier eklatante Vertsöße gegen den Tierschutz aufgedeckt, die in diesem Maße nicht erwartet worden waren. Das waren keine Einzelfälle mehr.
Doch wie kann es zu solchen Missständen kommen? Mit Sicherheit spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: zu wenig Personal für zu viele Tiere, Arbeit unter Zeitdruck oder auch fehlende Kontrollen. Hinzu kommt eventuell auch der wirtschaftliche Druck, dem der Landwirt mitunter ausgesetzt ist.

Verpflichtungen des Tierhalters
Dennoch: Wer Nutztiere hält, ist gesetzlich dazu verpflichtet, sich um kranke und verletzte Tiere ausreichend zu kümmern. Dies beinhaltet auch adäquate Krankenbuchten, eine zielgerichtete Therapie des Einzeltiers und schließt in Fällen, in denen das Tier unter erheblichen Schmerzen leidet und eine Heilung nicht mehr zu erwarten ist, auch eine fachgerechte Nottötung durch den Landwirt mit ein. Wirtschaftliche Gründe dürfen für Letzteres nicht allein ausschlaggebend sein, vielmehr müssen die Interessen des Tieres sorgfältig gegen die des Tierhalters abgewogen werden. Die Verantwortung für das Tier liegt also per Gesetz beim Tierhalter. Das heißt aber nicht, dass der Tierarzt außen vor ist. Auch er hat dem Ethikkodex entsprechend eine Verpflichtung, Tiere vor Schmerzen und Leiden zu bewahren.
Was können Tierärzte also tun, um zu verhindern, dass einzelne kranke Tiere – selbst in gut geführten Beständen – mitunter aus dem Blick geraten, zu lange leiden müssen oder nicht fachgerecht getötet werden?

Praktische Schulungen
Schulungen könnten helfen, den Blick des Landwirts dafür zu schärfen, kranke oder verletzte Tiere so früh wie möglich zu entdecken. Sie als Tierarzt können ihn dafür sensibilisieren, wann der richtige Zeitpunkt ist, den Tierarzt zu rufen oder auch ein schwerkrankes Schwein zu töten. Schließlich – und dieser Wunsch kam durchaus auch von Landwirten selbst – können Tierärzte bei der praktischen Umsetzung der fachgerechten Tötung unterstützen. Ein Punkt liegt Elisabeth große Beilage aber ganz besonders am Herzen: die Kommunikation zwischen Tierhalter und Tierarzt.

Gute Kommunikation – das A und O
Um Missverständnissen vorzubeugen, müssen Tierhalter und bestandsbetreuender Tierarzt ganz klare Regelungen treffen, wer von beiden sich welche Tiere, wann, wie oft und zu welchem Zeitpunkt anschaut. Die Hoffnung ist, dass schon so ein Großteil der Problemfälle verhindert werden könnte. Wünschenswert wäre es. Gerda Bäumer

Am 25. Januar findet auf dem Niedersächsischen Tierärztetag in Hannover ab 14 Uhr der Vortrag „Umgang mit kranken und verletzten Tieren im Nutztierbestand, Nicht-Hinzuziehung des Tierarztes“ statt. Hier geht Expertin Elisabeth große Beilage näher auf dieses aktuelle Thema ein. Die Anmeldung ist noch vor Ort möglich, weitere Informationen erhalten Sie hier.