Journal Club 02.07.2018

Fast wie Dysenterie: Durchfälle durch Brachyspira suanatina

750 Mastschweine litten unter Diarrhoe, die klinischen Symptome und histopathologischen Läsionen wirkten ganz wie bei Schweinedysenterie. Am Hannoveraner Institut für Mikrobiologie wurde jedoch ein anderer Erreger nachgewiesen: Brachyspira (B.) suanatina.

Mit B. suanatina infizierte Schweine waren bisher nur aus Skandinavien bekannt. In Hannover wurden innerhalb der letzten zehn Jahre 8363 Brachyspira-Isolate aus Proben vom Schwein untersucht, nur zweimal handelte es sich um B. suanatina: einmal bei einer Zuchtsau aus Dänemark, das andere Mal war ein einzelnes Mastschwein betroffen.

Wenig Biosicherheit im Betrieb
Die Autoren berichten jetzt über einen Betrieb in Süddeutschland, der gerade eine Dysenterie-Infektion hinter sich hatte, als im Dezember 2016 die Hälfte der vor wenigen Tagen zugekauften 270 Mastferkel Durchfall bekam. Wegen des Dysenterie-Ausbruchs wenige Monate zuvor wurden sie ohne weitere Diagnostik mit Tiamulin behandelt. Nach anfänglicher Besserung trat die Diarrhoe etwa 50 Tage später erneut auf, breitete sich schnell im ganzen Betrieb aus und erreichte eine Morbidität von 60 Prozent. Betroffene Schweine fraßen bis zu einer Woche lang schlecht. Perineum und Fäzes waren häufig mit weißem mukofibrinösem Exsudat verunreinigt. Einzelne Tiere zeigten hohle Flanken, eingefallene Augen und ein reduziertes Allgemeinbefinden. Die in der Pathologie und Histopathologie festgestellten Läsionen waren verdächtig für Schweinedysenterie, nachgewiesen wurde aber B. suanatina.
Die schnelle Ausbreitung lässt sich durch mangelnde Hygiene im Betrieb erklären. Alle betroffenen Schweine wurden in einem Gebäude im kontinuierlichen Verfahren in Offenställen gehalten. Offene Buchtenwände erlaubten einen intensiven Kontakt zwischen den Tieren und der Dung wurde bei der Reinigung von Bucht zu Bucht geschoben.

Risiko Freilandhaltung
Woher die Infektion kam, konnte nicht mehr sicher nachvollzogen werden: Der Ferkelerzeuger lehnte diagnostische Maßnahmen ab und es wäre möglich, dass er dänische Sauen im Bestand hatte. Die Mastschweine könnten sich aber auch bei Wildvögeln infiziert haben. B. suanatina kann von Stockenten auf Schweine übertragen werden, das wurde experimentell bereits nachgewiesen. Auch andere Wasservögel kommen als Infektionsquelle infrage und wurden in der Umgebung des betroffenen Betriebes häufig gesehen.
Im Zuge der Tierschutzdiskussion nimmt die Freilandhaltung zu. So könnten von Wildtieren übertragene Infektionen in Zukunft an Bedeutung gewinnen.
VIOLA MELCHERS

Originalpublikation:
Rohde J et al. (2018): Occurrence of dysentery-like diarrhoea associated with Brachyspira suanatina infection on a German fattening farm. Vet Rec 182: 195. DOI 10.1136/vr.104705.

Vortrag: Erstautorin Judith Rohde spricht am 25. Januar 2019 in Hannover über „Schweinedysenterie: Neue Erkenntnisse aus der mikrobiologischen Diagnostik zur Erkrankung und für die Bestandsüberwachung“. Jetzt anmelden: www.niedersaechsischer-tieraerztetag.de