Journal Club 01.05.2012

Die FeLV-Infektion der Katze: Praxisrelevante Aspekte

Retrovirus: Eine FeLV-Infektion verursacht nichtregenerative Anämien, Immunsuppression und Neoplasien.

Das feline Leukämievirus (FeLV) ist ein weltweit verbreitetes Retrovirus, das Haus- und Wildkatzen befällt. Fortschritte in der Diagnostik und die Entwicklung wirksamer Impfstoffe konnten zu einem Rückgang der Prävalenzen führen. Dennoch stellt die FeLV-Infektion weiterhin eine bedeutende Erkrankung dar. Das Virus wird bei einer Virämie, bei persistierend infizierten Tieren also lebenslänglich, insbesondere mit dem Speichel, aber auch mit Kot und Urin ausgeschieden. Eine vertikale Übertragung transplazentar oder laktogen ist ebenfalls möglich, wobei auch einzelne Tiere eines Wurfes infiziert sein können. Die Empfänglichkeit ist bei Neonaten am höchsten und nimmt mit zunehmendem Alter ab. Daher sollten nur FeLV-negative Katzen zur Zucht eingesetzt werden. Aufgrund seiner geringen Tenazität lässt sich das FeLV aus der Umgebung durch eine gründliche Reinigung eliminieren. Mit den heutigen Schnelltests ist der Nachweis einer Antigenämie möglich, die häufig auch ein Maß für die Virämie darstellt. Bereits Jungtiere können getestet werden, da der Schnelltest nicht mit den maternalen Antikörpern interferiert. Eine PCR kann verwendet werden, um das Ergebnis des ELISA zu bestätigen oder einen Viruskontakt nachzuweisen. Katzen, die eine Virämie überwunden haben, werden zwar wieder Antigen-negativ, bleiben aber positiv für den Provirus-Nachweis mittels PCR. Diese Tiere sind in der Regel immun gegen eine Reinfektion. Eine Reaktivierung des Virus ist zunächst möglich, wird mit der Zeit aber zunehmend unwahrscheinlicher. In einer Studie von Hoffman et al. (2001) war bei 10 % der untersuchten Katzen der ELISA negativ, während die PCR positiv ausfiel. Bei 7 % der Tiere waren sowohl der ELISA als auch die PCR positiv. Ein positiver ELISA bei einer laut PCR negativen Katze wurde bislang nicht beschrieben. Mithilfe einer Real-time-PCR können bis zu 30 Speichelproben gepoolt untersucht werden. Die Entnahme der Proben ist einfach. Zudem ist das Verfahren kostengünstig. Ein positiver ELISA sollte nach ein bis zwei Monaten wiederholt werden, um festzustellen, ob es sich um eine transiente oder persistierende Infektion handelt. Auch wenn kein Impfstoff einen hundertprozentigen Schutz vor einer Infektion bietet, kann er helfen, persistierende Virämien zu verhindern und so die Tiere vor FeLV-assoziierten Erkrankungen schützen. Es handelt sich dabei um eine Non-core-Vakzine, die im Alter von acht bis neun Wochen, nach zwölf Wochen sowie nach einem Jahr verabreicht und je nach Infektionsdruck alle zwei bis drei Jahre aufgefrischt wird. Da die Impfung bereits infizierter Tiere nicht sinnvoll ist, sollten Tiere mit unbekanntem FeLV-Status vorher getestet werden. Aufgrund des Fibrosarkom-Risikos sollte die Applikation distal an der linken Hintergliedmaße erfolgen. Zur Risikominderung sollte der Impfstoff vor der Applikation auf Raumtemperatur aufgewärmt werden. Bisher liegen keine Daten zum Einfluss von Adjuvanzien auf das Fibrosarkom-Risiko vor. Infizierte Katzen sollten einzeln und ohne Freigang gehalten werden, da sie zum einen selbst anfälliger für Infektionen sind, zum anderen ein Infektionsrisiko für andere Katzen darstellen. Bei einer persistierenden Virämie sind halbjährliche Kontrollen mit klinischer Untersuchung und Hämatologie sinnvoll. Die Impfung gegen Katzenschnupfen und Katzenseuche ist empfehlenswert, sollte jedoch mit einem Totimpfstoff erfolgen. Dabei sollte ihre abgeschwächte und verkürzte Wirkung bei infizierten Katzen berücksichtigt werden. Der Einsatz von felinem Interferon-Omega kann möglicherweise klinische Symptome reduzieren und so die Lebensdauer verlängern. Darüber hinaus sind gute Pflege, frühzeitige Behandlung von Sekundärinfektionen sowie Vermeidung des Einsatzes von Kortikosteroiden und Immunsuppressiva empfehlenswert.

Quelle:
Boretti FS, Lutz H, Hoffmann-Lehmann R (2011):
Die FeLV-Infektion der Katze: Praxisrelevante Aspekte. Schweiz Arch Tierheilkd 153: 501–504.

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