Schwein | Immunokastration 27.09.2018

Ferkel würden die Impfung wählen

Das Verbot der betäubungslosen Kastration kommt. Unter den möglichen Alternativen ist die Impfung gegen Ebergeruch die Ferkel-freundlichste.

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Der Deutsche Bundesrat hat am 21. September die Anträge zur Verlängerung der Übergangsfrist abgelehnt: Ab Anfang nächsten Jahres wird die betäubungslose Kastration männlicher Ferkel in Deutschland verboten sein. Damit der Anteil importierter Ferkel zu Lasten heimischer Erzeuger dann nicht dramatisch steigt, müssen jetzt in kurzer Zeit Alternativen umgesetzt werden.


Das FLI empfiehlt die Immunokastration
Momentan stehen drei Möglichkeiten zur Verfügung: Die Kastration unter Betäubung, die Jungebermast und die Impfung gegen Ebergeruch. Das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) hat Ende September Stellung bezogen: Thomas Mettenleiter und Mitarbeiter halten die Immunokastration für die beste Möglichkeit. Die Impfung belaste die Schweine deutlich weniger als eine chirurgische Kastration mit Inhalations- oder Injektionsnarkose. Im Gegensatz zur Jungebermast bestehe keine Gefahr schwerwiegender Verletzungen der Tiere untereinander.


So wird geimpft
Männliche Ferkel müssen zweimal im Abstand von mindestens vier Wochen mit einem Analogon des Gonadotropin-Releasing-Faktors (GnRF) geimpft werden. Die Selektion der männlichen Tiere ist einfacher, wenn die Ferkel nach Geschlecht getrennt gehalten werden. Die zweite Impfung sollte vier bis sechs Wochen vor der Schlachtung durchgeführt werden. Dann wird nicht nur die Bildung von Androstenon im Hoden unterdrückt, sondern auch der Abbau von Skatol in der Leber verstärkt. In der Praxis rutschen 0,5–2 Prozent der Ferkel bei der Impfung durch. Geimpfte Tiere können aber an ihrem ruhigeren Verhalten und den verkleinerten Hoden erkannt werden. Werden die Durchrutscher nachgeimpft, ist die Immunokastration genauso wirksam wie die chirurgische Kastration.
Groß sind die Befürchtungen, dass Verbraucher das „Hormonfleisch“ ablehnen könnten. Mögliche Gründe hierfür sind aber laut FLI wissenschaftlich nicht haltbar. Deshalb wünschen sich die Autoren der Stellungnahme von Handelsunternehmen eine Verpflichtung zur Abnahme des Fleisches immunokastrierter Tiere und von der Politik mehr Aufklärung für die Verbraucher. (VM)


Stellungnahme des FLI:
https://svg.to/immunokastration