Meldungen 05.03.2019

Ferkelkastration: Narkose durch Sachkundige

Eine neue Verordnung soll den Weg für eine Ferkelkastration unter Isofluran-Betäubung ebnen. Was ist zu beachten, wenn Nicht-Tierärzte die Narkose durchführen?

 - 
Foto: Sabine - stock.adobe.com

.

  • Der Tierarztvorbehalt für die Narkose soll fallen: Die Ferkelkastration unter Isofluran könnte bald durch sachkundige Personen durchgeführt werden.
  • Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) und Provieh e.V. sprechen sich in einer gemeinsamen Stellungnahme gegen die Verordnung aus.
  • TVT und Provieh e.V. fordern eine inhaltliche Ausgestaltung der Verordnung im Sinne des Tierschutzes.

Die Anästhesie für einen chirurgischen Eingriff sollte ausschließlich Tierärzten vorbehalten sein. Eine Ausnahme für die Ferkelkastration ist weder sinnvoll, noch gerechtfertigt, insbesondere da mit der Immunokastration eine praktikable Alternative existiert. Das ist auch ganz klar die Position der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT). Gemeinsam mit der Tierschutzorganisation Provieh e.V. hat die TVT jetzt Stellung genommen zum Referentenentwurf für die Verordnung zur Durchführung der Narkose mit Isofluran bei der Ferkelkastration durch sachkundige Personen.

TVT und Provieh e. V. heben hervor, dass die schmerzausschaltende Wirkung von Isufluran nur gering ist und die Gabe eines präoperativen Analgetikums daher unverzichtbar.
Gegen den den Einsatz von Isufluran zur Ferkelkastration sprächen außerdem die Gesundheitsrisiken für den Anwender sowie die klimaschädigende Wirkung des Narkosegases. Schweine atmen den überwiegenden Teil des Isoflurans innerhalb einer halben Stunde wieder ab. Insbesondere wenn Narkosemasken nicht optimal passen, kann die Anästhesietiefe unzureichend sein und die Gaskonzentration in der Umgebung steigen.

Anästhesie durch den Landwirt
Sollte die Verordnung trotz aller Bedenken verabschiedet werden, plädieren TVT und Provieh e.V. für eine inhaltliche Ausgestaltung im Sinne des Tierschutzes:

  • Ausbildung: Der theoretische Lehrgang für Sachkundige sollte diese in die Lage versetzen, die Narkosefähigkeit und -tiefe zu prüfen, Zwischenfälle schnell zu erkennen und lebensrettende Maßnahmen zu ergreifen. Für die Praxisphase unter tierärztlicher Anleitung muss ein konkreter Umfang vorgeschrieben werden, jährliche Fortbildungen sollten Pflicht sein.
  • Dokumentation: Notfallpläne sollten niedergeschrieben werden. Der Landwirt muss neben der Anzahl kastrierter Ferkel auch Narkosezwischenfälle und Nachbetäubungen dokumentieren.
  • Kontrolle: Regelmäßige Check-ups durch den Hoftierarzt sind nötig sowie eine Prüfung von Sachkunde- und Fortbildungsnachweis vor jeder Isofluran-Abgabe durch einen Tierarzt. (VM)