Virologie | Publikation 27.02.2019

Fledermaus-Influenzaviren potenziell infektiös?

Eine aktuelle Studie weist neuen Infektionsweg von Influenza-Viren in menschliche und tierische Zellen nach.

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Foto: Bernd Wolter – Fotolia.com

Influenzaviren sind für den Menschen und verschiedene Tierarten infektiös. Bisher bekannt war der Eintritt in die Wirtszelle über die Bindung an Oberflächenrezeptoren, genauer der chemischen Gruppe Sialinsäure. Ein in Fledermäusen nachgewiesenes Influenzavirus nutzt einen alternativen Infektionsweg und wurde damit zum Forschungsobjekt am Universitätsklinikum Freiburg und der Universität Zürich.

Zusammenarbeit führte zum Erfolg
Die Wissenschaftler in Freiburg und Zürich kombinierten zwei unterschiedliche Forschungsansätze und fanden damit den Unterschied zwischen den bekannten Influenza-Typen und dem Fledermaus-Virus.

Mithilfe der Genexpressionsanalyse fand das Team um Prof. Dr. Silke Sterz am Institut für Medizinische Virologie der Universität Zürich bereits einen Hinweis auf den Oberflächenkomplex MHC-II, welcher von infizierbaren Zellen, aber nicht von resistenten Zellen produziert wird.

Im parallelen Ansatz forschten die Virologen des Universitätsklinikums Freiburg unter Leitung von Prof. Dr. Schwemmle mit Hilfe einer Genschere. So zerschnitten sie in unzähligen Experimenten eines von insgesamt 20.000 Genen einzelner tierischer Zellen. Dabei bestätigte sich der erste Verdacht.

MHC-II Moleküle als Eintrittspforte
Das Ergebnis fasst Forschungsgruppenleiter Prof. Dr. Martin Schwemmle zusammen: „ Zellen, bei denen wir MHC-II ausgeschaltet haben, wurden gegen die Infektion immun. Das war der Nachweis, dass das Virus mit Hilfe von MHC-II in die Zelle eindringt.“

MHC-II Moleküle finden sich auf der Oberfläche von bestimmten Immunzellen. Diese sind verantwortlich für die Erkennung von körpereigenen und -fremden Zellen, sowie Strukturen.

Welche Gefahr besteht für Mensch und Tier?
Das Immunprotein MHC-II verschiedener Tierarten und dem Menschen ähnelt sich stark, ist also von einem Infektionsrisiko auszugehen? Prof. Dr. Schwemme hält dies für möglich.

„Im Labor können de Fledermausviren die MHC-II-Komplexe von Mäusen, Schweinen, Hühnern oder dem Menschen für den Zelleintritt nutzen. Eine natürliche Übertragung dieser Influenzaviren von Fledermäusen auf andere Wirbeltiere und sogar den Menschen ist daher nicht ausgeschlossen, “ so der Professor.

Die vollständige Studie können Sie hier nachlesen.