Journal Club 01.08.2000

Die Pharmakokinetik von Flunixin-Meglumin bei Eseln, Maultieren und Pferden

Flunixin-Meglumin gehört zur Gruppe der nichtsteroidalen Entzünungshemmer und wirkt über die Hemmung der Cyclooxygenase. Bei Pferden wird dieses Medikament zur Linderung von Schmerzen des Bewegungsapparates und bei Kolik eingesetzt. Zu den Nebenwirkungen des Flunixin-Meglumins gehören Geschwürbildungen im Magendarmtrakt, Diarrhoe und Nierenrindennekrosen. Diese Nebenwirkungen treten häufig im Zusammenhang mit überhöhten Dosierungen auf. Da es kaum Informationen über die Verstoffwechselung dieses Medikaments bei Eseln und Maultieren gibt, werden für diese Tiere im Allgemeinen die Pferdedosierungen verwendet. Zwischen Eseln und Pferden kann es aber erhebliche Unterschiede bei einigen klinisch relevanten pharmakokinetischen Variablen geben. Ziel der vorliegenden Studie war es, festzustellen, ob klinisch relevante Unterschiede in der Ausscheidung von Flunixin-Meglumin bei Pferden, Eseln und Maultieren bestehen. Zu diesem Zweck wurde Flunixin-Meglumin in der Dosis von 1,1 mg/kg fünf Eseln, drei Pferden und fünf Maultieren als Bolusinjektion verabreicht. Anhand von Blutproben, die vor der Injektion und an definierten Zeitpunkten bis acht Stunden nach der Injektion gesammelt wurden, erfolgte die Bestimmung verschiedener pharmakokinetischer Parameter. Der auffälligste Unterschied zwischen Pferden und Maultieren im Vergleich zu Eseln war eine die mittlere Verweildauer im Plasma, die bei Eseln um die Hälfte kürzer war, als bei Pferden und Maultieren. Die mittlere Verweildauer entspricht der Plasmahalbwertzeit. Die Ausscheidung des Flunixin-Meglumins bei Eseln erfolgt also schneller. Da mehr als 60 Prozent des Flunixin- Meglumins innerhalb von zwölf Stunden nach Verabreichung mit dem Harn ausgeschieden werden, ist eine schnellere renale Clearance bei Eseln anzunehmen. Bei Pferden sind Plasmakonzentrationen von mehr als 75 Xg/ml erforderlich, um die Produktion von Thromboxan B 2 vollständig zu hemmen. Möglicherweise müssen daher bei Eseln höhere Dosierungen und/oder kürzere Dosierungsintervalle eingesetzt werden, um diese Wirkung zu erzielen. Allerdings sind weitere pharmakodynamische und pharmakokinetische Untersuchungen mit multiplen Dosen erforderlich, um optimale Dosierungsschemata für Esel zu erarbeiten.



Coakley, M., Peck, K. E., Taylor, T. S., Matthews, N. S. and Mealey K. L. (1999):
Pharmacokinetics of flunixine meglumine in donkeys, mules and horses. Am J. Vet. Res., 60, 1441–1444.

Praktischer Tierarzt 81: 8, 673 (2000)
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