Journal Club 10.03.2019

Frakturdiagnostik und Verlaufskontrolle mittels Ultraschall

Können Frakturen der langen Röhrenknochen beim Vogel mittels Ultraschall diagnostiziert werden? Diese Frage hat eine Gruppe brasilianischer Wissenschaftler jetzt untersucht.

Frakturen der langen Röhrenknochen werden bei Vögeln meistens mittels Röntgenbildern diagnostiziert. Besonders bei Wildvögeln ist eine Wiederherstellung der physiologischen Biomechanik wichtig, um eine Wildbahntauglichkeit zu gewährleisten. Die Autoren der Studie wollten daher untersuchen, ob mittels Ultraschall eine Frakturdiagnostik möglich ist und ob eventuell weitere Informationen über das beteiligte Weichteilgewebe gewonnen werden können. Außerdem beschreiben sie zwei klinische Fälle, bei denen die chirurgische Reposition der Frakturenden mittels Ultraschall intraoperativ kontrolliert wurde.

Knochendarstellung im Ultraschall
Die Autoren verwendeten für ihre Studie verstorbene Wildvögel aus den Ordnungen Eulen und Falkenartige. Mit einem 5–12 MHz Linearschallkopf untersuchten sie Humerus, Ulna, Radius, Femur und Tibiotarsus. Bei kleineren Vogelarten konnten die Autoren den jeweiligen Knochen vollständig darstellen und seinen Durchmesser ausmessen. Diese Messwerte stimmten mit einer später durchgeführten Messung am präparierten Knochen überein. Bei den größeren Vogelarten war aufgrund von Artefakten und Schallauslöschung nicht der gesamte Knochen darstellbar. Hier konnten nur die schallkopfnahe Corticalis und Teile der Markhöhle dargestellt werden. Allerdings waren bei allen Vögeln die Frakturen als Unterbrechung der hyperechogenen schallkopfnahen Corticalis darstellbar.

Reposition mit Ultraschallkontrolle
Bei den beiden klinischen Fällen konnte intraoperativ die Fraktur ebenfalls dargestellt werden. Hier war es den Autoren möglich, mittels Ultraschall die korrekte Reposition der Frakturenden zu kontrollieren, ohne die Fraktur zu eröffnen. Außerdem ließ sich die korrekte Position eines in der Operation eingebrachten intramedullären Pins bestimmen. Aufgrund der prinzipiellen Darstellbarkeit der Vogelknochen gerade bei kleineren Vögeln halten die Autoren den Ultraschall für geeignet, um eine Frakturreposition zu überwachen. Sie vermuten auch, dass der Heilungsverlauf mittels Sonografie gut evaluiert werden kann.

MAXIMILIAN REUSCHEL

Originalpublikation:
González CAG, Lopes CTA, Teixeira PPM, Santos RR, Domingues SFS(2018): B-mode ultrasonographic evaluation of long bones in Falconiformes and Strigiformes birds. Avian Pathol 47(6): 625–629.
DOI 10.1080/03079457.2018.1526372.