Journal Club 07.07.2019

Harnuntersuchung bei der Kuh – Was taugen die Methoden?

Rasch vor Ort den Harn untersuchen zu können, ist eine nicht mehr wegzudenkende diagnostische Maßnahme. Doch Vorsicht! Manche Methoden sind unzuverlässig.

Spezifisches Gewicht, elektrische Leitfähigkeit, Harnfarbe und Kreatiningehalt: Sie alle lassen sich direkt am Tier mit einfachen Handgeräten oder Teststreifen bestimmen. Doch bei genauerem Hinsehen stellt sich heraus, dass die Methoden oft gar nicht am Rind validiert sind und somit potenziell irrelevante Ergebnisse produzieren, die schlimmstenfalls zu falschen Schlussfolgerungen verleiten. Nun wurden verschiedene Methoden strukturiert untersucht, um festzustellen, ob sie zur Detektion einer Hypohydratation beim Rind geeignet sind. Als Referenz für den Hydratationszustand wurde die Harnosmolalität herangezogen, welche mittels Kryoskopie-Gefrierpunktserniedrigungsmessung bestimmt wurde. Unter Bezugnahme auf die Humanmedizin wurden Werte von ≥ 800 mOsm/kg als Indikator einer Hypohydratation angesehen.

Im Test (mit Harn von 20 Holstein- Friesian-Kühen):

  • optisches Refraktometer zur Bestimmung des spezifischen Gewichts
  • Multistix-SG Harnteststreifen zur Bestimmung des spezifischen Gewichts
  • Handgerät OAKTON Con 6 zur Messung der elektrischen Leitfähigkeit
  • Harnfarbe (selbsterstellte 8-stufige Skala)
  • Labormethode: Harnkreatinin mittels Jaffé-Methode (spektrofotometrisch)

Ergebnisse und Konsequenzen
Die besten Ergebnisse wurden mit der refraktometrischen Messmethode erzielt: Ein spezifisches Gewicht von ≥ 1,030 war ein zuverlässiger Indikator für eine Hypohydratation. Das zweitbeste Ergebnis erzielte die elektrische Leitfähigkeit, bei der Werte von ≥ 23,7 mS/cm eine Hypohydratation anzeigten. Den dritten Rang belegte die Kreatininbestimmung mit einem Cut-off-Wert von ≥ 95,3 mg/dl, gefolgt von der visuellen Farbbestimmung. Die schlechtesten Ergebnisse erzielten die Harnteststreifen. Sie sind mit menschlichem Urin (pH 6) validiert, während Rinder basischen Urin haben. Die Autoren empfehlen, für die Bestimmung des spezifischen Gewichts bei Rindern keine Harnteststreifen zu verwenden. Die visuelle Beurteilung stellte sich mäßig nützlich dar, ist aber natürlich die kostengünstigste Variante. Empfohlen und für den Praxisalltag als hinreichend genau befunden wurden die Refraktometrie und die Messung der elektrischen Leitfähigkeit.
CHRISTIANE FETZER

Originalpublikation:
Megahed AA, Grünberg W, Constable PD (2019): Clinical utility of urine specific gravity, electrical conductivity, and color as on-farm methods for evaluating urine concentration in dairy cattle. J Vet Intern Med 33: 1530–1539.
https://doi.org/10.1111/jvim.15502.