Preissensibilität | Konkurrenzdenken 25.10.2018

Hauptsache, billiger als der Kollege

Hier mal eine Injektion nicht berechnen, dort den Notdienstaufschlag etwas schmälern. Frau Müller bekommt die Behandlung von Hund Cherly eh immer etwas günstiger. Na, haben wir Sie erwischt?

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Es gibt Eigenschaften von Tierärzten, die Betriebswirtschaftlern die Haare zu Berge stehen lassen. Dass die Berufssparte immer noch viel Nachholbedarf hat, bestätigten die Praxisseminare und Vorträge auf dem diesjährigen DVG-Kongress ein weiteres Mal. Sowohl im Seminar „Was bin ich wert?“, das der Studentenverband bvvd für Tierärzte in Ausbildung veranstaltete, als auch im bpt-Vortrag zum Thema Gehälter kam das Thema Preissensibilität auf den Tisch. „Tierärzte glauben weiterhin, dass Kunden beim Tierarzt vor allem auf den Preis schauen“, so bpt-Experte Hans-Peter Ripper, der BWLer ist. In den Köpfen ist und bleibt ein Gedanke fest verankert: Hauptsache, billiger als der Kollege! Dabei haben Umfragen wiederholt gezeigt, dass es Tierbesitzern bei der Auswahl ihres Tierarztes auf viele andere Dinge ankommt, wie z. B. in erster Linie Freundlichkeit gegenüber Mensch und Tier. Der Preis stehe hingegen erst an Stelle 8 der Auswahlkriterien.

Ebenfalls schwierig für Tierärzte ist offenbar das richtige Abrechnen von Leistungen. „Keiner anderen Berufssparte würde es einfallen, aus Nettigkeit getane Leistungen auf der Rechnung auszusparen“, so Ripper. Dennoch ist dies unter Kollegen weitverbreitet. Statt zwei wird eine Injektion berechnet oder von drei geschossenen Röntgenbildern nur zwei in Rechnung gestellt. Warum? „Erfahrenere Tierärzte wären ja auch bei zwei Bildern schon zu ihrer Diagnose gekommen“, erklärt sich eine junge Tierärztin. Zustimmendes Murmeln der Gruppe. Besonders unangenehm sei das Abkassieren nach einer Euthanasie, meinen Kollegen. Den trauernden Kunden zur Kasse bitten, nachdem gerade die finale Spritze gesetzt wurde. Da kommt Emotionalität ins Spiel. Dies kann Ripper nachvollziehen, er bleibt aber hart: „Wenn Sie als Angestellter ungenügend abrechnen, schneiden Sie sich selber ins Fleisch. Denn das Gehalt zahlt nicht Ihr Chef, das Gehalt zahlen Ihre Kunden.“ Der Betriebswirtschaftler wünscht sich ein Umdenken. Weg von Individualismus, Einzelkämpfertum und Konkurrenz, hin zu vernetztem Arbeiten und korrekten Abrechnungen. lp