Kardiologie | Pferd 02.11.2017

Hochtragend und herzinsuffizient– einen Therapieversuch ist es wert

Unser aktueller, frei zugänglicher Fallbericht einer trächtigen Stute mit dekompensierter Herzinsuffizienz zeigt, dass sich trotz schlechter Prognose ein Behandlungsversuch lohnt.

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Foto: Nadine Haase - Fotolia.com

Der Fall: Eine zwölfjährige tragende Traberstute wird mit deutlichen Anzeichen einer dekompensierten Herzinsuffizienz vorgestellt. Sie zeigte Inappentenz, Lethargie und Dyspnoe.

Nach einer Soforttherapie mit Diuretika (Furosemid [Dimazon®], Dosierung: 3 x tgl. 1 mg/kg i. v.) sowie der Stabilisierung des Zustandes konnte am Folgetag eine weitere kardiologische Abklärung erfolgen.

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Befunde am Herzen:

  • Ruhe-EKG: Tachykardes Vorhofflimmern, HF 130 Schläge/Min
  • Sonographie des Herzens: Kardiomegalie aller vier Kammern, hochgradig erweitertet linker Vorhof
  • Insuffizienzen der Mitral-und Trikuspidalklappe
  • Dilatation der Arteria pulmonalis

Obwohl die Prognose bei einer derartig fortgeschrittenen Herzerkrankung bzgl. der Überlebensfähigkeit von Stute und Fohlen vorsichtig bis infaust ist, wurde folgender Therapieversuch unternommen:

Die Stute wurde medikamentös mit Herzglykosiden (β-Methyldigoxin [Lanitop®], Dosierung: 1 x tgl. 0,012 mg/kg p. o.), ACE-Hemmern (Quinapril [Accupro®], Dosierung: 1 x tgl. 0,1 mg/kg p. o.), Kalium (Kalium Verla Granulat®, Dosierung: 1 x tgl. 24,96 mg/kg p. o.) und Diuretika (Furosemid [Dimazon®], Dosierung: für 4 Tage1 x tgl. 1 mg/kg i. m.) behandelt. Zusätzlich bekam die Stute Protonenpumpen-Inhibitoren (Omeprazol [Gastrogard®], Dosierung: laut Herstellerangaben) sowie Nephrosal® (Dosierung: laut Herstellerangaben). Eine Therapie des Vorhofflimmerns (z. B. mit Chinidinsulfat) wurde nicht vorgenommen, da dieser Versuch bei der vorliegenden massiven Dilatation aussichtslos erschien

Die Therapie schlug schnell an und bewirkte eine deutliche Besserung des Allgemeinzustandes. Am 352. Trächtigkeitstag konnte die Stute ein gesundes Stutfohlen zur Welt bringen. Die Geburt verlief komplikationslos. Unter Medikation war es dem Muttertier möglich, das Fohlen bis zum Absetzen im Alter von ca. fünfeinhalb Monaten großzuziehen.

Der beschriebene Fall macht deutlich, dass unter besonderen Umständen eine Therapie auch bei bereits weit fortgeschrittener Herzerkrankung mit sehr ausgeprägten Symptomen möglich ist.

Allerdings dürfen weder die hohen Kosten noch der große Zeitaufwand unterschätzt werden.

Bei der Verabreichung von Herzglykosiden sind regelmäßige Kontrollen des Serum-Digoxinspiegels und eine engmaschige klinische Überwachung der Patienten zu empfehlen.

Der spannende Fallbericht "Therapie einer tragenden Stute mit dekompensierter Herzinsuffizienz" ist in der aktuellen Ausgabe von Der Praktische Tierarzt erschienen und steht zum kostenfreien Lesen bereit.