Tierschutz | Pferd 26.09.2017

Hormone für den Sport

Rossesymptome können die Rittigkeit von Stuten negativ beeinflussen. Doch den Zyklus aus diesem Grund zu unterdrücken, ist nach Ansicht der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz illegal.

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Schweifschlagen, übermäßiges Urinieren, Klitorisblitzen, Schlagen oder allgemeine Lustlosigkeit: Rosseverhalten ist im Wettkampf unerwünscht. Weil bei einigen Stuten auch die Rittigkeit stark eingeschränckt ist, verlangen Pferdebesitzer und Reiter immer häufiger tierärztliche Unterstützung bei der Regulation des Hormonhaushaltes. Hierzu sind verschiedene gynäkologische Methoden bekannt, von der Verabreichung von Altrenogest oder Oxytocin bis hin zur intrauterinen Applikation von Glasmurmeln oder gar einer vorübergehenden Trächtigkeit, die nach der Turniersaison abgebrochen wird. Nach Ansicht der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) sind sie aus Sicht des Tierschutzes allesamt abzulehnen und arzneimittelrechtlich häufig zumindest fragwürdig.

Der Zyklus ist keine Erkrankung

Der Arbeitskreis Pferde der TVT bezieht sich in einer aktuellen Stellungnahme zu gynäkologischen Praktiken bei Sportstuten auf tierärztliche Fortbildungsveranstaltungen, auf denen einige der oben genannten Methoden propagiert würden, und erinnert an § 3 des Tierschutzgesetzes: Es ist - außer in Notfällen - verboten, einem Tier Leistungen abzuverlangen, denen es wegen seines Zustandes (in diesem Fall: Rosse) offensichtlich nicht gewachsen ist. Verboten ist dies ausdrücklich auch bei Tieren, an denen Eingriffe und Behandlungen vorgenommen worden sind, um einen leistungsmindernden Zustand zu verdecken.

Mangelnde Leistung ist kein therapiebedürftiger Notfall

Arzneimittelrechtlich meldet die TVT Bedenken an, weil viele der zur langfristigen Rosseunterdrückung verwendeten Medikamente bezüglich Tierart und Anwendungsgebiet umgewidmet werden. Grundsätzliche Voraussetzung hierfür ist ein Therapienotstand, der bei einem medizinisch nicht erforderlichen Eingriff nicht gegeben sei.

Schließlich warnt die TVT Tierärzte vor möglichen haftungsrechtlichen Konsequenzen: Die Durchführung einer medizinisch nicht erforderlichen Behandlung entspräche nicht dem tierärztlichen Sorgfaltsmaßstab. Tritt ein Schaden ein, haftet der Tierarzt, wenn ihm vorsätzliches oder fahrlässiges Verschulden vorzuwerfen ist, das den Schaden verursacht hat. Es kann in solchen Fällen sogar sein, dass der Tierarzt dem Halter nachweisen muss, dass er lege artis gehandelt hat (Beweislastumkehr). vm