Pferd | Muskelerkrankung 01.12.2017

Neues zur Pathogenese der Atypischen Myopathie

Die Atypische Myopathie (AM) des Pferdes nimmt häufig einen dramatischen Verlauf. Eine aktuelle, frei zugängliche Studie in der Dezemberausgabe von Der Praktische Tierarzt befasst sich mit den pathophysiologischen Grundlagen der Erkrankung.

 - Ahornkeimling Atypische Myopathie
Ahornkeimling Atypische Myopathie
Foto: Sabine Aboling

Die AM gehört zu den nicht belastungsinduzierten Rhabdomyolysen und betrifft weidende Pferde; da sie gehäuft im Herbst und Frühling auftritt, wurde sie früher auch als saisonale Weidemyopathie bezeichnet. Bekannt ist, dass die u. a. in Bergahorn (vor allem in Samen und Keimlingen) enthaltene nicht-proteinogene Aminosäure HGA und ihre Metaboliten (MCPA und MCPA-CoA) mit der AM in Verbindung stehen. Diese lösen biochemische Prozesse aus und stören den mitochondrialen Energiestoffwechsel. Tanja Krägeloh, Jessika Cavalleri und weitere Kollegen untersuchten, welche Rolle der Pferdedarm bei der Umwandlung von Hypoglycin A (HGA) in toxische Metaboliten spielt.

Betroffene Pferde leiden unter Pigmenturie, muskulärer Steifheit, Muskelzittern und Schwäche. Bei vielen Tieren kommt es zum Festliegen, die Sterblichkeitsrate liegt bei etwa 80 Prozent. Eine rasche Diagnosestellung ist erforderlich, um erfolgreich in den Krankheitsverlauf eingreifen zu können.

Folgende Tiere sind besonders gefährdet:  

  • Junge Pferde, die nicht sportlich genutzt werden (bedenke jedoch: Die AM kann auch bei älteren Tieren auftreten);
  • Tiere, die auf der Weide nicht zugefüttert werden und keinen Zugang zu frischem Wasser haben;
  • Equiden, die in Gebieten weiden, in denen bereits Fälle der AM aufgetreten sind.
 

Erkrankungsfälle verhindern ‒ aber wie? 
Untersuchungen haben gezeigt, dass Pferde Ahornkeimlinge besonders bei überweideten oder sehr kurz gemähten Weiden aufnehmen. Aus diesen Gründen sollte darauf geachtet werden, das Gras im Frühjahr nicht zu kurz (< 10 cm) zu mähen. In der Hauptrisikozeit (Frühjahr und Herbst) und in Risikogebieten sollte zudem ausreichend Raufutter zugefüttert, bzw. der Koppelgang beschränkt werden.

Was tun bei betroffenen Tieren? 
Von großer Bedeutung ist es, die intestinale Resorption von HGA zu verhindern. Der Einsatz von Aktivkohle wird empfohlen, da zumindest in vitro-Untersuchungen bereits zeigen konnten, dass Aktivkohle eine hohe Bindungskapazität gegenüber HGA besitzt. In jedem Fall sind eine Unterstützung des Energie- und Flüssigkeitshaushalts sowie eine Mitbehandlung noch nicht erkrankter Weidepartner anzuraten. Alle Pferde sollten unverzüglich von der Weide nehmen!

Aktuellste Erkenntnisse  
Bezüglich der Pathophysiologie der AM suchen die Wissenschaftler noch nach wichtigen Antworten zu Fragen wie: Wo ist der Hauptbildungsort toxischer Metabolite von HGA? Oder: Welche Organe sind bei der Umwandlung von HGA überhaupt beteiligt? Unser aktueller frei zugänglicher Beitrag "Die Atypische Myopathie des Pferdes - spielt die enterale Metabolisierung des Hypoglycin A eine Rolle im Hinblick auf die toxische Wirkung?" von Tanja Krägeloh, Jessika Cavalleri, Michael Terhardt, Johannes Sander, Nils Janzen, Jörg Ziegler, Gerhard Breves und Anja Cehak liefert erste Erkenntnisse.

Wenn Sie die Ursachen- und Präventionsforschung zur Atypischen Weidemyopathie unterstützen wollen, melden Sie sich gerne bei Biologin PD Dr. Sabine Aboling vom Institut für Tierernährung der Tierärztlichen Hochschule Hannover unter: sabine.aboling@tiho-hannover.de und Frau Univ.-Prof. Jessika-M. Cavalleri an der Vetmeduni Vienna: jessika.cavalleri@vetmeduni.ac.at 
 

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