Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift 01.04.2020

Coxiella burnetii: Ein Übersichtsartikel mit Fokus auf das Infektionsgeschehen in deutschen Schaf- und Ziegenherden

Coxiella burnetii: A review focusing on infections in German sheep and goat flocks

Zusammenfassung
Q-Fieber ist eine weltweit verbreitete Zoonose, die durch Coxiella (C.) burnetii verursacht wird. Dieses Bakterium wird besonders über Geburtsmaterial infizierter kleiner Wiederkäuer in großen Mengen ausgeschieden, aber auch über Milch, Kot und Urin. Der Hauptinfektionsweg für Mensch und Tier ist die Inhalation von erregerhaltigen Aerosolen. Bei der Verbreitung spielen Wind und andere meteorologische Faktoren eine Rolle. Auch Zecken wie Dermacentor spp. und Ixodes ricinus könnten eine Bedeutung bei der Übertragung von C. burnetii haben. Bei Ziegen kann eine Infektion mit C. burnetii vor allem zu Spätaborten führen. Im Gegensatz dazu scheint eine Coxiellen-Infektion bei Schafen zu weitaus geringeren Abortraten als bei Ziegen zu führen. Beim Menschen zeigen 40 % der infizierten Personen grippeähnliche Symptome wie Fieber und Kopfschmerzen. Bis zu 5 % aller Infizierten können eine Chronifizierung entwickeln, die meist mit einer Endokarditis einhergeht. In Deutschland wurden seit dem Jahr 2000 mehrere humane Q-Fieber-Kleinraumepidemien mit bis zu 331 infizierten Personen pro Ausbruch detektiert. Auslöser waren meist lammende Schafe. Aufgrund der Zunahme an Milchziegenhaltungen in Deutschland wird in Zukunft mit vermehrten Fällen auch bei dieser Tierart gerechnet. Der diagnostische Nachweis von Infektionen mit C. burnetii beim Tier erfolgt meist mit dem ELISA und/oder der PCR. Mithilfe der Multiple Loci Variable Number of Tandem Repeat Analysis (MLVA/VNTR) lassen sich Isolate genotypisieren. Das genotypische MLVA-Cluster A wurde besonders bei kleinen Wiederkäuern nachgewiesen, während das Cluster C eher mit Rindern assoziiert ist. Die antibiotische Behandlung infizierter Tiere mit Oxytetracyclinen hat sich nicht bewährt. Vielmehr senkt der Einsatz eines Impfstoffes mit inaktivierten Phase-I-Bakterien das Risiko der Ausscheidung. Aufgrund der hohen Tenazität von C. burnetii sind viele Desinfektionsmittel nicht wirksam.

Schlüsselwörter
Coxiellose, kleine Wiederkäuer, Q-Fieber, Zoonose

Summary
Q fever is a worldwide zoonosis caused by Coxiella (C.) burnetii. This bacterium is shed in huge amounts with birth products from infected small ruminants. Shedding also occurs via milk, faeces and urine. The main route of infection for humans and animals is via inhalation of contaminated aerosols. Apart from wind, many other meteorological conditions influence pathogen dissemination. Also, Dermacentor spp. and Ixodes ricinus ticks could play a role in transmission. Infections in goats can lead to abortion during the last trimester of pregnancy. In comparison to goats, C. burnetii seems to cause less abortion in sheep. In humans, 40% of infected persons show flu-like symptoms such as fever and headaches. Up to 5% of all infected people can develop chronic Q fever, which often manifests as endocarditis. Since 2000, several human Q fever epidemics occurred in Germany with up to 331 reported human infections. The source of infection was mostly associated with parturition of sheep. As the number of goats has increased in Germany over the last couple of years, Q fever cases connected to this species will probably increase in the future. For the detection of C. burnetii in animals, ELISA and/or PCR are routinely used. With Multiple Loci Variable Number of Tandem Repeats Analysis (MLVA/VNTR) it is possible to genotype isolates. MLVA-Cluster A was detected in samples from small ruminants, Cluster C is associated with cattle. Treatment with oxytetracycline is ineffective for the control of Q fever in animals, whereas the use of an inactivated Phase I whole cell vaccine reduces shedding and therefore the risk of transmission. Many disinfectants are ineffective against C. burnetii because of its high tenacity.

Keywords
Coxiellosis, small ruminants, Q fever, zoonosis

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