Journal Club 23.07.2018

Impfen gegen das Sommerekzem

Forscher haben einen therapeutischen Impfstoff gegen Zytokine IL-5 entwickelt und eröffnen damit eine neue Therapieoption für eine wichtige allergische Erkrankung beim Pferd.

Das Sommerekzem, auch sweet itch oder Insektenstichallergie (IBH) genannt, ist eine saisonal auftretende, IgE-mediierte allergische Dermatitis des Pferdes, die durch Mücken der Gattung Culicoides (Gnitzen) hervorgerufen wird (Hypersensibilisierung gegen das Speichelallergen).
Betroffene Pferde leiden unter Alopezie, extremem Juckreiz, nässenden Wunden und teils sogar ulzerativen Läsionen. Oft kommt es zu sekundären Infektionen mit Bakterien, Milben oder Pilzen, welche die Läsionen dann noch verstärken. Therapieoptionen sind dürftig und beschränken sich oft auf eine Allergenvermeidung und symptomatische Behandlungsversuche.

Die Idee
Verantwortlich für die pathologischen Veränderungen sind die eosinophilen Granulozyten. Für deren Entwicklung, Aktivierung, Freisetzung ins Blut und Überlebenschancen im Gewebe spielt wiederum das Zytokin IL-5, welches von TH2- und Mastzellen produziert wird, eine entscheidende Rolle.
Ein Blockieren von IL-5 – so die Überlegung – könnte die eosinophile Aktivität dämpfen und so auch die Symptome der IBH verbessern. Monoklonale Antikörper gegen IL-5, wie sie bereits beim Menschen erfolgreich eingesetzt werden, sind allerdings beim Pferd aufgrund des hohen Körpergewichts und der nötigen Injektionsmenge nicht realistisch. Daher haben die Forscher einen therapeutischen Impfstoff entwickelt, der die Bildung der Antikörper gegen IL-5 im Tier induziert. Basis für diesen Impfstoff ist ein Virus-ähnlicher Partikel (CMVTT), der für eine gute Immunantwort sorgt und an den equines IL-5 (eIL-5) gekoppelt wird.

Der Versuch
In der randomisierten, Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie wurden 19 der 34 Islandpferde mit 400 μg eIL-5-CMVTT in PBS (Phosphatgepufferte Salzlösung) geimpft, die 15 Kontrollpferde erhielten nur PBS. Zur Beurteilung der Wirksamkeit wurden regelmäßig die IBH-Läsionen bewertet, Blutproben genommen und der Antikörpertiter bestimmt.

Das Ergebnis
Die klinischen Symptome (IBH-Scores) waren bei den geimpften Pferden im Vergleich zur Vorjahressaison und zu den Kontrolltieren signifikant reduziert. Bei 47 Prozent der geimpften Tiere besserten sich die Symptome um die Hälfte, bei 21 Prozent sogar um ganze 75 Prozent. In der Kontrollgruppe zeigten dagegen nur 13 Prozent der Tiere eine Verbesserung der Symptome um die Hälfte.

Fazit
Die Impfung wurde von den Tieren sehr gut vertragen und sorgte bei fast allen Impftieren (n = 17) für einen wirksamen Antikörpertiter. Gerade für Pferde, die immer wieder vom Sommerekzem betroffen sind, könnte dies eine mögliche Langzeittherapie darstellen.
GERDA BÄUMER

Originalpublikation:
Fettelschoss-Gabriel A et al. (2018): Treating insect-bite hypersensitivity in horses with active vaccination against IL-5. J Allergy Clin Immunol: DOI 10.1016/j.jaci.2018.01.041.