Kleintierpraxis 15.12.2019

Hochgradige Zungenverletzung nach vermutetem Kontakt mit Prozessionsspinnerraupen – Auswirkungen und empfohlene Therapie beim Hund

Severe tongue necrosis after suspected contact with pine processionary caterpillars – clinical signs and recommended therapy in dogs

Zusammenfassung
Die Larven des Nachtfalters Thaumetopoea processionea und Thaumetopoea pityocampa, besser bekannt als Prozessionsraupen, sind mittlerweile in West-Europa verbreitet und stellen durch das in ihren Brennhaaren vorkommende Toxin Thaumetopoein eine Gefahr für Mensch und Hund dar. Eine zehnjährige Hündin wurde mit Verdacht einer akuten allergischen Reaktion nach Kontakt mit Prozessionsraupen vorgestellt. Sie wies eine massive Makroglossie, Ptyalismus, geschwollene Lefzen, Erosionen dorsal und zystisch Veränderungen ventral der Zunge auf. Die Hündin zeigte keine Atemnot, konnte jedoch keine Nahrung aufnehmen. Die unmittelbare Behandlung beinhaltete die intravenöse Gabe von Methadon, Dexamethason, Diphenhydramin, Ranitidin, Ampicillin und kristalloider Infusionslösung. Der äußere und innere Maulbereich wurde regelmäßig mit lauwarmer verdünnter Chlorhexidinlösung gespült. Während einer Kurznarkose wurde an Tag 2 eine Ösophagostomiesonde gesetzt. Aufgrund einer Nekrose der Zungenspitze wurde am Tag 5 nach Vorstellung eine partielle Glossektomie durchgeführt. Die Hündin konnte an Tag 7 nach Vorstellung in gutem Allgemeinzustand und selbstständiger Futteraufnahme nach Hause entlassen werden. Anhand dieses Fallbeispiels möchten wir Sofortmaßnahmen und weitere Therapien nach Kontakt mit Prozessionsraupen besprechen, welche als Leitfaden im Praxisalltag dienen können.

Schlüsselwörter
Prozessionsraupe, Anaphylaxie, Makroglossie, Nekrose, Glossektomie

Summary
The larvae of the moths Thaumetopoea processionea and Thaumetopoea pityocampa, better known as pine processionary caterpillars, are by now well established in western Europe and present a danger to humans and dogs due to the toxin thaumetopoein in the caterpillar’s hair. A 10-year-old female dog was presented with a possible acute allergic reaction after contact with pine processionary caterpillars. The dog showed massive macroglossia, ptyalism and swollen lips, in addition to dorsal erosions and ventral cystic changes to the tongue. The dog’s breathing was unimpaired; however, she was unable to eat. Immediate treatment included intravenous methadone, dexamethasone, diphenhydramine, ranitidine, ampicillin and crystalloid infusion solution. The outer and inner structures of the mouth were rinsed several times at intervals with warm diluted chlorhexidine solution. On day 2, an oesophagostomy feeding tube was placed under general anaesthesia. Due to necrosis of the tip of the tongue, a partial glossectomy was performed on day 5 after presentation. The dog was discharged on day 7 in good general condition and able to eat. Based on this case study, the article discusses the treatment for dogs after contact with processionary caterpillars, which may serve as a guide for everyday practice.

Keywords
Pine processionary caterpillars, anaphylaxis, macroglossia, necrosis, glossectomy

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