Kleintierpraxis 14.01.2020

Genital tract masses protruding from the vaginal orifice of female pet guinea pigs (Cavia porcellus): Differential diagnosis and treatment

Prolaps von Umfangsvermehrungen des Geschlechtstrakts aus der Vaginalöffnung als Vorstellungsgrund weiblicher Meerschweinchen (Cavia porcellus)

Summary
Pathological changes affecting the female reproductive tract in guinea pigs have been described previously in the literature. However, knowledge about the clinical findings and management of uterine and vaginal proliferative diseases has been sparse to date. In dogs, a common clinical presentation of various types of uterine and vaginal abnormalities is a tumor-like mass protruding from the vaginal orifice. In the present study, we investigated the frequency and underlying causes of masses protruding from the vaginal orifice as the reason for presentation in guinea pigs. A retrospective analysis of pathological and associated clinical records of a total of 723 intact female guinea pigs identified masses protruding from the vaginal orifice in 12 animals (1.7%). Of these, six originated from the vagina – four vaginal leiomyomas and two non-neoplastic vaginal polyps– and six from the uterus – two cervical gland neoplasms, two decidual cell proliferations, and two uterine prolapses. Additionally, four cases of decidual cell proliferations being discharged from the uterus and subsequently found in the animal’s cage were identified. All six vaginal masses were successfully removed by simple ligation through the vaginal opening. The resection of three uterine masses by simple ligation resulted in an incomplete surgical removal. In conclusion, differential diagnoses for vulvar masses in guinea pigs should include vaginal or uterine neoplastic or non-neoplastic proliferative disorders. Knowledge of the anatomical origin and type of disease is essential for the therapeutic management. Most notably, although decidual cell proliferations are thought to regress spontaneously, they may also be associated with uterine neoplasia and so necessitate a thorough clinical examination of the uterus.

Schlüsselwörter
Female genital tract, vaginal leiomyoma, vaginal polyp, cervical gland neoplasia, decidual cell proliferation

Zusammenfassung
Erkrankungen des Geschlechtstrakts weiblicher Meerschweinchen sind in der aktuellen Literatur gut beschrieben. Dennoch ist das Wissen über klinische Befunde und die Behandlung uteriner und vaginaler Veränderungen nur begrenzt. Beim Hund sind Vorfälle uteriner oder vaginaler Massen aus der Vaginalöffnung ein durchaus bekannter Vorstellungsgrund. In der vorliegenden Studie wurden daher Häufigkeit und Art pathologischer Veränderungen, die mit einem Gewebsprolaps aus der Vaginalöff nung verbunden sind, beim Meerschweinchen untersucht. Hierfür wurden in einer retrospektiven Analyse die klinischen und pathologischen Befunde von insgesamt 723 weiblich-intakten Meerschweinchen gesichtet. Bei zwölf dieser Tiere (1,7 %) konnte ein Gewebeprolaps aus der Vaginalöffnung nachgewiesen werden. Sechs dieser Veränderungen waren vaginalen Ursprungs – vier vaginale Leiomyome und zwei nicht-neoplastische, vaginale Polypen –, während die anderen sechs dem Uterus entstammten – zwei Neoplasien der zervikalen Drüsen, zwei deziduale Proliferationen und zwei Uterusvorfälle. Zusätzlich wurden vier Fälle dezidualer Proliferationen festgestellt, welche ausgeschieden und anschließend vom Besitzer im Käfig gefunden wurden. Alle vaginalen Massen konnten durch die Vaginalöffnung mittels einfacher Ligatur erfolgreich entfernt werden. Die Entfernung drei uteriner Massen mittels einfacher Ligatur hatte eine unvollständige Resektion zur Folge. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie weisen darauf hin, dass bei Gewebsvorfällen aus der Vaginalöffnung sowohl vaginale als auch uterine neoplastische und nicht-neoplastische, proliferative Veränderungen differenzialdiagnostisch berücksichtigt werden sollten. Eine Untersuchung des anatomischen Ursprungs und der Art der Veränderung trägt maßgeblich zur Entscheidung bei, welche Therapie gewählt werden sollte. Bemerkenswerterweise wird bei dezidualen Proliferationen von einer spontanen Regression ausgegangen. Sie können jedoch ebenfalls mit uterinen Neoplasien assoziiert sein. Daher wird eine gründliche klinische Untersuchung des Uterus angeraten.

Keywords
Weiblicher Geschlechtstrakt, vaginales Leiomyom, vaginaler Polyp, Neoplasie der zervikalen Drüsen, deziduale Proliferation

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