Journal Club | Pferd 25.09.2016

Einfluss gehäckselter oder pelletierter Luzerne auf die Magenschleimhaut beim Pferd

Die Studie geht der Frage nach, ob die Größe der Futterpartikel einen Einfluss auf die Beschaffenheit und das Entwickeln von Schleimhautläsionen im Magen von Absatzfohlen hat.

Magenulzera sind sowohl bei erwachsenen Pferden als auch bei Fohlen keine Seltenheit. Als Risikofaktoren gelten verordnete Stallruhe, starke körperliche Belastungen und Transportstress bei erwachsenen Tieren sowie der Prozess des Absetzens bei Fohlen. Nichtsteroidale Entzündungshemmer stellen außerdem sowohl bei erwachsenen Tieren als auch bei Fohlen einen Risikofaktor für die Pars glandularis, die drüsenhaltige Schleimhaut, des Magens dar. Es konnte gezeigt werden, dass auch ein Zusammenhang zwischen der Fütterung und dem (Gesundheits­)Zustand der Magenschleimhaut besteht. Sowohl die Art der Fütterung (z. B. Zusatz von Puffersubstanzen, Stärke) als auch die Menge an Futter scheinen einen Einfluss auf den drüsenlosen Anteil der Magenschleimhaut zu haben. Die Partikelgröße des Futters hat dagegen offensichtlich eher einen Einfluss auf den drüsenhaltigen Teil der Magenschleimhaut. Um Läsionen der Magenschleimhaut zu verhindern, wird häufig das Füttern von Luzerne empfohlen. Luzerne besitzt Puffereigenschaften, die sich günstig auf die Magenschleimhaut auswirken sollen. Allerdings schreiben die Autoren, dass das Füttern von gehäckselter Luzerne bei Fohlen zu Läsionen in der Pars glandularis des Magens geführt hat, und auch in der Pars non glandularis des Magens konnte zumindest kein günstiger Effekt dieser Fütterung gesehen werden. Andere Autoren konnten dagegen einen positiven Effekt beobachten. Untersuchungen über den Einfluss der Größe der Futterpartikel auf die Magenschleimhaut gibt es allerdings bisher noch nicht. Ziel der Studie war es daher, den Einfluss von Luzerne in zwei unterschiedlichen Partikelgrößen (gehäckselte und pelletierte Luzerne) auf die Magenschleimhaut von Absatzfohlen zu untersuchen. Dafür wurden die zwei unterschiedlichen Darreichungsformen der Luzerne mit dem Verfüttern von Heu verglichen. Es wird davon ausgegangen, dass Fohlen, die mit gehäckselter Luzerne (Partikelgröße etwa > 2 mm) gefüttert werden, weniger Läsionen an der Magenschleimhaut zeigen als Tiere, die pelletierte Luzerne erhalten (Partikelgröße etwa < 1 mm), und dass das Verfüttern einer hohen Menge an feinerem Futter einen negativen Einfluss auf die Magenschleimhaut hat.

Material und Methoden
Siebzig Warmblutfohlen konnten in die Studie eingeschlossen werden. Sie mussten mindestens 150 Tage alt sein, durften keine Krankheitsanzeichen zeigen oder in den zehn Tagen vor Studienbeginn Medikamente erhalten haben. Eine Woche vor dem geplanten Absetztermin wurden die Fohlen zunächst gemeinsam mit ihren Muttertieren umgestallt. Zum Zeitpunkt 0 wurden sie abgesetzt und entsprechend der geplanten Fütterung in drei Gruppen zusammenführt. In Gruppe 1 erhielt jedes Fohlen täglich 3 kg gehäckselte Luzerne. Die Fohlen aus Gruppe 2 wurden täglich mit je 3 kg pelletierter Luzerne gefüttert. Gruppe 3 erhielt keine Luzerne, aber die Fohlen hatten wie auch die Tiere aus den Gruppen 1 und 2 freien Zugang zu Heu (Gras). Alle Gruppen erhielten zusätzlich noch Hafer und Spurenelemente. Die Gruppen 1 und 3 wurden außerdem noch mit einer unterschiedlichen Menge an Sojabohnen­Mehl und Kalziumoxid (Gruppe 1) bzw. Kalziumkarbonat (Gruppe 3) gefüttert. Die Tagesration wurde in zwei Fütterungen pro Tag aufgeteilt und ging über insgesamt 14 Tage. Eine Gastroskopie wurde bei jedem Fohlen einmal kurz vor dem Absetzen und ein weiteres Mal nach 14 Tagen durchgeführt. Dabei wurden die unterschiedlichen Magenregionen einzeln beurteilt: dorsaler Fundus, kleine Kurvatur (drüsenlos), große Kurvatur (drüsenlos und drüsenhaltig), Antrum und Pylorus. Die Beschaffenheit der Magenschleimhaut wurde für jede Region mit einem Scoringsystem von 0–4 bewertet.

Ergebnisse
Betrachtet man den gesamten Magen, lag die Prävalenz von Magenschleimhautläsionen (ein oder mehrere Läsionen) vor dem Absetzen bei 84,3 %. Nach 14 Tagen lag sie bei fast 100 %. Die meisten Läsionen fanden sich sowohl vor als auch nach dem Absetzen im drüsenlosen Bereich der großen und kleinen Magenkurvatur. Allerdings waren bei den Fohlen aus Gruppe 1 – dies ist die Gruppe, die mit gehäckselter Luzerne gefüttert wurde – die Läsionen im Pylorusbereich nach dem Absetzen signifikant schwerwiegender (p = 0,002). In den anderen Magenregionen konnten dagegen keine Unterschiede zwischen den drei Fütterungsregimen festgestellt werden.

Fazit
Die Ergebnisse zeigen, dass das Füttern von Luzerne bei Absatzfohlen zu keiner Besserung hinsichtlich der Läsionen in der Magenschleimhaut führt. Fohlen, die mit gehäckselter Luzerne (Partikelgröße > 2 mm) gefüttert wurden, wiesen überraschenderweise sogar mehr Läsionen im Bereich des Pylorus auf als die Tiere der anderen beiden Gruppen. Ein negativer Effekt trat also bei den Häckseln auf, nicht wie erwartet beim feineren Futter. Dies macht zum einen deutlich, dass es offensichtlich wichtig ist, die unterschiedlichen Magenregionen separat zu untersuchen. Zum anderen zeigt es, dass die Beschaffenheit des Futters durchaus einen Einfluss auf die Magenschleimhaut zu haben scheint, zumindest im Bereich des Pylorus. Ob dies auch bei erwachsenen Tieren der Fall ist, bleibt noch offen. Nichtsdestotrotz hat Luzerne aufgrund seiner Zusammensetzung (hochwertige Proteinquelle, hoher Gehalt an Kalzium und Magnesium) sowie hinsichtlich der Nährstoffversorgung gerade für wachsende Pferde durchaus Vorteile. Zum jetzigen Zeitpunkt kann das Füttern von Heu (Gras) in Kombination mit pelletierter Luzerne oder das alleinige Füttern von Heu (Gras) empfohlen werden.

Bäumer G

_____________
Vondran S, Venner M, Vervuert I (2016): Effects of two alfalfa pre- parations with different particle sizes on the gastric mucosa in weanlings: alfalfa chaff versus alfalfa pellets. BMC Vet Res 12: 110.