Harnuntersuchung | Equiden 06.12.2019

Urinsticks aus der Humanmedizin: Auch für Pferde geeignet?

Einfach und bequem sind sie: Urin-Teststreifen. Doch sie stammen oft aus der Humanmedizin, sodass sich die Frage nach ihrer Aussagekraft bei Messungen mit Pferde-Urin stellt.

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Foto: Alexander Raths - stock.adobe.com

Der Prüfstand
Die Urinuntersuchung mittels Teststreifen liefert semiquantitative Messergebnisse von biochemischen Substanzen im Urin. Viele kommerzielle Streifen wurden allerdings für die Humanmedizin entwickelt, was bedeutet, dass die Sensitivität und Spezifität der Messungen mit menschlichem Urin validiert wurden. Bei anderen Spezies ist die Verlässlichkeit der Streifen daher zunächst einmal fraglich und es gibt bereits Literatur für Hund, Katze und einige Wiederkäuer, die teils sehr schlechte Ergebnisse der humanen Teststreifen aufzeigt. Jetzt wurden für das Pferd beispielhaft zwei kommerzielle Teststreifen geprüft, der Medi-Test Combi 11 von Macherey-Nagel („MN“) und ein Teststreifen von Kimia-Pajouhan („KP“). Als Parameter wurden pH, spezifische Dichte und Protein ausgewählt und die Ergebnisse jeweils mit quantitativen Referenzmethoden verglichen (pH: pH-Meter; spezifische Dichte: tragbares Refraktometer; Protein: Pyrogallol). Ge­messen wurde der Urin von 80 Pferden.

Das Testergebnis
Die Korrelation der Teststreifen-Resultate mit den Referenzwerten war für Protein schlecht und für pH sowie spezifische Dichte noch schlechter. Bei der Proteinbestimmung ergaben beide Teststreifen eine gute Sensitivität, aber schlechte Spezifität – es gab viele falsch positive Ergebnisse. Bei der pH-Wert-Bestimmung lag der angezeigte pH für beide Teststreifen deutlich niedriger als der Referenzwert. Die Streifen „unterschätzen“ also den eigentlichen pH-Wert. Für die spezifische Dichte waren die Ergebnisse unbrauchbar; hier weisen die Autoren darauf hin, dass der Nutzen von Teststreifen für diese Bestimmung selbst bei der Zielspezies Mensch kontrovers diskutiert wird. Beide Teststreifen schnitten ähnlich schlecht ab; es gab keinen Favoriten.

Fazit
Für die Parameter pH-Wert, spezifische Dichte und Protein sind Urin-Teststreifen aus der Humanmedizin beim Pferd nicht geeignet. Die Autoren empfehlen den Verzicht auf Teststreifen und raten zum Mitführen tragbarer Geräte für eine quantitative Messung (z. B. pH-Meter). Christiane Fetzer