Berufspolitik | Leipziger Tierärztekongress 27.01.2020

„Einzelkämpfertum ist Selbstmord“

Ob die Tierärzteschaft als Einheit agiert, war Thema der berufspolitischen Diskussion auf dem Leipziger Tierärztekongress. Fazit: Es gibt Konflikte, zu wenig Austausch und noch einiges zu tun.

 - 
Foto: animaflora - Fotolia.com

Wenn Amtstierärzte in Apothekenkontrollen praktische Tierärzte kontrollieren, wenn Klinikleiter ihren Bewerbern mit Berufserfahrung Stellen für 1.000 Euro netto anbieten, wenn der Praktiker Amtskollegen als faule Kaffeetrinker bezeichnet und Kollegen andere Kollegen schlecht machen − dann sind das Situationen des Ungleichgewichts. Einer stellt sich über den anderen oder steht dort, weil es eben seine Aufgabe ist. Die berufspolitische Diskussion unter dem Titel „Die Einheit in der Tierärzteschaft – Wunschtraum oder Wirklichkeit?“ auf dem diesjährigen Leipziger Tierärztekongress hat wieder einmal gezeigt, wie divers die Berufsgruppe ist. Gerade Amtstierärzte empfinden, dass ein „großer Graben“ zwischen ihnen und den Praktikern besteht.

Jeder trägt sein eigenes Päckchen
Die Impulsreferate aus allen Bereichen der tiermedizinischen Arbeit zeigten es: Jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen. Während Kleintierpraktiker unter „betriebswirtschaftlichen Zwängen“ leiden und das Gefühl haben, dass Kollegen vom Amt diese nicht sehen, empfinden Nutztierpraktiker „Druck von allen Seiten“, kämpfen mit unzufriedenen Landwirten, gesetzlichen Vorgaben und aggressiven Tierschutzvereinen. Amtliche Kollegen fühlen sich als Faule oder Halsabschneider angekreidet, leiden unter Personalmangel und den genauen Vorgaben, wie sie Kontrollen durchzuführen haben. Auch Industrietierärzte haben das Gefühl, sich für ihren Berufsweg rechtfertigen zu müssen. Junge Kollegen berichten immer noch von unhaltbaren Stellenangeboten, einige haben der Tiermedizin bereits den Rücken gekehrt. Andere sind motiviert, sehen sich aber mit zu vielen Problemen in der Praxis konfrontiert, um sich außenpolitisch, z. B. in einer Kammer, engagieren zu können.

Mehr wertschätzendes Miteinander
Fest steht: So divers die Berufsgruppe ist, so unterschiedlich sind auch die individuellen Wege, Meinungen und Erfahrungen. Konfliktpotenzial besteht zwischen Praktikern und Ämtern, genauso wie unter Kollegen aus der Praxis, Arbeitgebern und Arbeitnehmern oder schlichtweg alter und junger Generation. So kann die alte Generation die nachfolgenden Tierärzte nur schwer verstehen. Für ein wertschätzendes Miteinander sind ein verstärkter Austausch und Zusammenarbeit nötig − sei es an Stammtischen oder auf Tierärztetagen. ( LP)

Nicht verpassen: Themen, die die Tierärzteschaft bewegen, finden Sie auch regelmäßig in unserem vetline.de-Newsletter. Melden Sie sich hier an.