Fütterung | Klima 27.01.2020

EU-Projekt: Speisereste ins Hundefutter?

Wär gut fürs Klima − das EU-Projekt Food for Feed überprüft, inwiefern Speisereste aus Hotels bei Hunden und Katzen als Rationskomponente eingesetzt werden können. Vier Fragen an Fütterungsexpertin Nadine Paßlack von der Freien Universität Berlin.

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Foto: Gary Perkin - stock.adobe.com

Die Lebensmittelwertschöpfungskette der Europäischen Union ist nicht gerade ressourcenschonend. So hat unter anderem das Projekt FUSIONS (Food Use for Social Innovation by Optimising Waste Prevention Strategies) gezeigt, dass in der Europäischen Union jährlich etwa 88 Millionen Tonnen Speisereste anfallen.

Zum Projekt
Das von der Europäischen Union geförderte deutsch-griechische Projekt „Food for Feed“ hat das Ziel, eine einfache, innovative und emissionsarme Methode zu entwickeln, um anfallende Speisereste aus Hotels weiterzuverarbeiten. Ist es möglich, diese für die Tierernährung zu nutzen? Nadine Paßlack stellte das Projekt auf dem DVG-Kongress 2019 vor und lieferte ernährungswissenschaftliche Hintergrundinformationen.

Aus seuchenhygienischen Gründen ist die Verfütterung von Speiseabfällen an lebensmittelliefernde Tiere verboten. Ausgenommen von dem Verfütterungsverbot sind Pelztiere sowie Tiere, die nicht der Lebensmittelerzeugung dienen. Die gesetzliche Grundlage stellt hierbei die Verordnung (EG) Nr. 1069/2009 dar. Bei Hunden und Katzen stellen Speisereste jedoch eine mögliche Rationskomponente dar. Das Projekt „Food for Feed“ prüft derzeit die Sicherheit und grundsätzliche Einsatzmöglichkeit von Speiseresten bei diesen Tierarten. Gegenstand der Untersuchungen in Berlin, Athen und Kreta sollen neben der Zusammensetzung und hygienischen Beschaffenheit der Speisereste auch

  • die Akzeptanz,
  • die Verträglich- und Verdaulichkeit sowie
  • mikrobiologische und immunologische Parameter

Nadine Paßlack arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Tierernährung, Freie Universität Berlin, welches am Projekt beteiligt ist.

Wer hat das Projekt initiiert?
Nadine Paßlack: Das Projekt wurde von einem griechischen Konsortium aus Universitäten und öffentlichen Einrichtungen sowie der Freien Universität Berlin initiiert. Auf griechischer Seite sind insgesamt vier Einrichtungen beteiligt: The United Association of Solid Waste Management in Crete (ESDAK), Technological Educational Institute of Crete – TEIC (Department of Agronomy Technologists), Harokopio University (Department of Geography) und Agricultural University of Athens (Department of Animal Science and the Production of Aquaculture).

Wie wird eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung der Tiere sichergestellt?
Nadine Paßlack: Die verwendeten Speisereste sind hochwertige Lebensmittel, sie sollen aber nur einen kleinen Teil des Hunde- oder Katzenfutters ausmachen, untersucht werden in aktuellen Fütterungsstudien an unserem Institut Größenordnungen von
5–15 %. Die Speisereste müssten vor der Einmischung in ein Alleinfutter hinsichtlich ihres Nährstoffprofils analysiert werden. So könnte dann die Futterrezeptur entsprechend angepasst werden, damit eine bedarfsdeckende Nährstoffversorgung der Hunde und Katzen sichergestellt ist. Wir untersuchen u. a. auch im Rahmen des Projekts, wie sich die unterschiedlichen „Chargen“ der Speisereste im Nährstoffgehalt unterscheiden, z. B. aufgrund von saisonalen Unterschieden im Angebot von Speisen.

Ist eine kommerzielle Vermarktung eines solchen Futters denkbar?
Nadine Paßlack: Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist es, neben den Fütterungsstudien auch umfangreiche Befragungen durchzuführen, um die Verbraucherakzeptanz hinsichtlich des Einsatzes von Speiseresten im Tierfutter zu ermitteln. Bislang wurden Fragebögen an Tierärzte, Tiermedizinische Fachangestellte, Studierende der Tiermedizin und Hunde- und Katzenhalter ausgeteilt. Die Resonanz war hierbei sehr positiv, viele Verbraucher könnten sich vorstellen, ein Hunde- oder Katzenfutter, das Speisereste enthält, zu kaufen. Momentan findet eine Befragung von Industrievertretern statt. Auf diese Weise soll geprüft werden, ob der Einsatz von Speiseresten in einem kommerziellen Hunde- oder Katzenfutter denkbar wäre. Wichtig für die Beurteilung sind hier natürlich auch die Ergebnisse aus unseren Untersuchungen, die Parameter wie Futterhygiene, -akzeptanz und -verträglichkeit, aber auch den Einfluss von Speiseresten im Futter auf die Nährstoffverdaulichkeit und die intestinale Mikrobiota beinhalten.

Was sind die nächsten Schritte?“
Nadine Paßlack: Unser Teilprojekt beschäftigt sich ja mit verschiedenen Fragestellungen. So wurde eine Fütterungsstudie mit Hunden bereits abgeschlossen, die Laboruntersuchungen laufen aktuell. Eine Fütterungsstudie mit Katzen findet momentan ebenfalls statt. Wir werden die Ergebnisse dieser beiden Untersuchungen dann zeitnah auswerten und publizieren. Daneben werden in unserem Labor auch In-vitro-Untersuchungen mit den getrockneten Speiseresten durchgeführt, um zusätzliche Informationen zu erhalten, z. B. hinsichtlich der mikrobiellen Fermentation der Speisereste. Und schließlich ist unser Institut an den Befragungen zur Verbraucherakzeptanz (s. o.) beteiligt, die aktuell vor allem mit Vertretern der Futtermittelindustrie durchgeführt werden. Am Ende der Projektlaufzeit im Februar 2021 haben wir somit sicherlich einen guten Überblick darüber, ob Speisereste eine Komponente von Hunde- oder Katzenfutter darstellen könnten.

Quelle: Paßlack N, Zentek J (2019): Aktuelles EU-Projekt „Food for Feed“ − Stellen Speisereste zukünftig eine mögliche Komponente von Hunde- und Katzenfutter dar? Abstract, DVG-Kongress 2019.

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