bpt | Weihnachtsgruß 29.11.2019

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

2019 stand für den Bundesverband Praktizierender Tierärzte ganz im Zeichen seines 100-jährigen Verbandsjubiläums.

Der zentrale Festakt im Kaisersaal des Frankfurter Römer hat eindrucksvoll gezeigt, dass die praktizierenden Tierärztinnen und Tierärzte die zentrale Rolle bei Tiergesundheit und Tierschutz spielen. Der Blick in unsere Geschichte zeigt, dass das leider nicht immer so war, sondern Erfolg der berufspolitischen Arbeit des bpt ist!

Dazu zählt auch die von Bundesministerin Klöckner bei unserem 100 Jahre Festakt gemachte Zusage, dass sie uns bei der Lösung des drängenden Notdienstproblems helfen wird. Sie hat Wort gehalten. Voraussichtlich Anfang 2020 kommt die GOT-Notdienstnovelle. Und bei der notwendigen Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes hat sie Änderungsbedarf beim Bundesarbeitsminister angemeldet. Gerade vor dem Hintergrund des sich verschärfenden Tierärztemangels wird es hier auf absehbare Zeit wohl keine andere Lösung geben.

‚Außenpolitisch‘ stand in den vergangenen vier Jahren vor allem die Verabschiedung des EU-Tierarzneimittelrechts (nach 10- jähriger Diskussion!) und der Tierärztlichen Hausapothekenverordnung (TÄHAV) im Mittelpunkt. Auch wenn wir nicht alle unsere Positionen haben durchsetzen können, haben wir doch zwei ganz wichtige Erfolge zu verzeichnen: Das tierärztliche Dispensierrecht bleibt erhalten und ‚kranke Tiere müssen behandelt werden können‘ (Therapiefreiheit). Gleichwohl gilt es jetzt bis zum Inkrafttreten des neuen EU-Rechts in 2022 aufzupassen, damit sich in den über 20 Ausführungsrechtsakten nicht doch noch durch die Hintertür praktikerfeindliche Regelungen einschleichen, die der Kleintier-, Pferde- und der Nutztierpraxis nur unnötig das Leben schwer machen.

‚Innenpolitisch‘ lagen unsere Schwerpunkte vor allem auf der Entwicklung einer modernisierten bpt-Satzung, einem neuen Grundsatzprogramm („Münchner Programm 2017“) und der Stärkung der Praxisführungskompetenzen. Mit unserem Wahlpflichtfach ‚Ökonomie für Tiermedizinstudierende‘, das im Sommersemester 2020 in Hannover bereits zum dritten Mal angeboten wird, gehen wir hier konsequent einen neuen Weg. Der immer größere Zuspruch der Studierenden zeigt, dass wir mit diesem Thema den Nerv der Zeit treffen. Neben Hannover wollen auch Leipzig und München mit dem bpt in dieser Frage enger kooperieren. Egal ob Inhaber oder Angestellte/r – ohne wirtschaftliche Grundkompetenz geht es heute in der Praxis nicht mehr!

Die Stärke des bpt in den letzten 100 Jahren war, dass es uns trotz unterschiedlicher Interessenlagen immer wieder gelungen ist, eine einheitliche Praktikerposition zu entwickeln. Um in Zukunft national und, noch wichtiger, auf EU-Ebene eine gewichtige berufspolitische Rolle spielen zu können, muss es uns als bpt gelingen, die immer weiter (und im Zeitalter der Digitalisierung immer schneller) auseinanderdriftenden Interessen von Inhabern und Angestellten, großen Kliniken und kleinen Praxen sowie Kleintier- und Nutztierpraxen auszubalancieren. Neben der Vorbereitung der Praktiker auf die Herausforderungen des digitalen Zeitalters (‚Praktiker 4.0‘) und die Anforderungen, die uns auch der demografische Wandel auferlegt, wird dies die wichtigste Aufgabe des neuen bpt-Präsidiums in den nächsten fünf Jahren sein.

Wir wünschen Ihnen ein frohes Weihnachts­fest! Ihre

Dr. Siegfried Moder, Präsident, Dr. Petra Sindern, 1. Vizepräsidentin, Dr. Karl-Heinz Schulte, 2. Vizepräsident