Virologie | Zoonose 27.01.2020

Achtung Zoonose! Neues vom Bornavirus

Daten aus Bayern zeigen, dass die Infektion mit dem Bornavirus für den Menschen potenziell tödlich sein kann. Unter den neu identifizierten Fällen waren häufig Katzenhalter.

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Zoonose oder nicht? Über eine mögliche Infektion von Menschen mit dem Bornavirus wurde schon lange diskutiert. Studien, die einen Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen wie Depression oder Schizophrenie postulierten, gelten inzwischen als widerlegt. Dennoch ist das Virus (BoDV-1) mehr, als nur der Verursacher der Borna-Krankheit bei Pferden, Schafen und einigen anderen Haustieren: Es löst beim Menschen eine Gehirnentzündung aus und könnte in endemischen Gebieten hinter einem hohen Prozentsatz ernsthafter bis fataler Enzephalitiden unbekannter Ursache stecken.

Neue Virus-Nachweise bei Enzephalitis
2018/19 wurden die ersten sechs Fälle einer durch BoDV-1 ausgelösten Enzephalitis bekannt. Daraufhin untersuchten Forscher am Regensburger Institut für Klinische Mikrobiologie und Hygiene 56 Proben von Enzephalitis-Patienten aus der Zeit zwischen 1999 und 2019 auf das Virus. Sie konnten sechs neue Patienten identifizieren, aus anderen Instituten wird von zwei weiteren Fällen berichtet. Das Virus wurde ausschließlich bei Patienten gefunden, bei denen die Krankheitsursache bisher unbekannt war. Die Erkrankung begann bei den meisten Betroffenen mit Kopfschmerzen und Fieber, dann traten neurologische Symptome auf: Gangstörungen, Verwirrung, Erinnerungslücken, Krampfanfälle und fortschreitender Bewusstseinsverlust. Die Patienten fielen ins Koma, alle bis auf einen verstarben schließlich. Angesichts der neuen Daten sollten menschliche Patienten mit akuter Meningoenzephalitis auf BoDV-1 getestet werden, insbesondere im Endemiegebiet. Die Meldepflicht in der Veterinärmedizin soll noch in diesem Jahr wiederkommen und auch beim Menschen soll das Bornavirus meldepflichtig werden.

Keine Übertragung durch Haustiere
Wie sich die erkrankten Menschen infiziert haben, ist bisher unbekannt. Aber es besteht kein Grund zu der Sorge, sich bei tierischen Borna-Patienten anzustecken. Haustiere sind Fehlwirte und es ist unwahrscheinlich, dass sie das Virus übertragen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist auf natürlichem Wege wahrscheinlich nicht möglich. In zwei der 2018 bekannt gewordenen Fälle wurde das Virus allerdings durch eine Organtransplantation übertragen.
Die Infektion ist insgesamt selten und das Risiko daher als gering anzusehen. Das Bornavirus ist in Süd- und Ostdeutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein endemisch. Hauptwirt und Reservoir ist die Feldspitzmaus. Pferde infizieren sich vermutlich über mit Mäusekot kontaminiertes Futter. Am wahrscheinlichsten ist, dass auch Menschen sich in endemischen Gebieten bei direktem oder indirektem Kontakt mit Spitzmäusen infizieren. Ein Großteil der Patienten stammte aus ländlichen Gebieten oder war viel draußen unterwegs. Auffällig viele waren Katzenhalter. Die Forscher glauben, dass die Katzen vielleicht Spitzmäuse mit ins Haus brachten oder durch die Mäusejagd kontaminiert waren. (VM) 

Das Robert-Koch-Institut hat ein Merkblatt herausgegeben.