Gerichtsbeschluss | Anbindehaltung 11.02.2020

Urteil für Kuh-Tierwohl: Ab auf die Weide

Das Verwaltungsgericht Münster findet: Eine ganzjährige Anbindehaltung schränkt nahezu alle durch das Tierschutzgesetz geschützten Grundbedürfnisse der Rinder stark ein.

 - 
Foto: Dudarev Mikhail - stock.adobe.com

Rinder sollen nicht nur an der kurzen Kette leben: Ende Dezember letzten Jahres hat das Verwaltungsgericht Münster den Eilantrag eines Landwirts abgelehnt, der sich gegen eine Anordnung des Veterinäramtes wehren wollte. Das Amt hatte gefordert, den Rindern in Anbindehaltung müssten jeden Sommer täglich zwei Stunden freier Auslauf gewährt werden.

Frischluft ist Pflicht
Eine verhaltensgerechte Unterbringung und artgemäße Bewegung sei bei ganzjähriger Anbindehaltung nicht möglich, begründete das Amt die Anordnung. Der Landwirt machte hingegen geltend, er wolle seine Tiere vor Infektionskrankheiten sowie Angriffen durch Wölfe oder Hunde schützen. Das Gericht orientierte sich an den niedersächsischen Tierschutzleitlinien für die Milchkuh- und Mastrinderhaltung, nach denen vorhandene Anbindehaltungen nach Möglichkeit zu Laufställen umgebaut werden sollten. Ist dies nicht realisierbar, soll als Ausgleich für das Bewegungsdefizit zumindest im Sommer täglich Weidegang oder Zugang zu einem Laufhof gewährt werden. Gegen den Beschluss wurde bereits Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht eingelegt.

Tierwohl contra Strukturwandel
Ein Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung wird immer wieder kontrovers diskutiert. Treffen würde es vor allem kleine Familienbetriebe und könnte daher den Strukturwandel beschleunigen. Ende 2018 kam ein Gutachten des Thünen-Instituts jedoch zu dem Schluss, dass ein Verbot der Anbindehaltung in Verbindung mit einer großzügigen Übergangsfrist von zehn Jahren umsetzbar wäre. Die Betriebe müssten durch Beratung und finanzielle Förderung unterstützt werden. ( VM)