Coronavirus | Übertragungsweg 11.02.2020

Corona: Fledermaus oder Schuppentier?

Virologe Victor Corman erforscht an der Berliner Charité unter anderem humane Coronaviren. Auf dem Leipziger Tierärztekongress sprach er über Fledermäuse und virale Zoonosen. Doch sind sie wirklich Überträger?

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Foto: CR Bild: Bernd Wolter – Fotolia.com

SARS, MERS und, aktuell, das Wuhan-Coronavirus: In den letzten Jahren wurden einige neue Coronaviren dem Menschen gefährlich. Es handelt sich um Zoonosen – doch von welchem Tier stammten die Viren? In allen drei Fällen standen Fledermäuse als Überträger unter Verdacht. Victor Corman zeigte in Leipzig, dass die meisten Coronaviren tatsächlich Verwandte in Fledermäusen haben. Für MERS wurden sogar konspezifische Viren in den Fledertieren nachgewiesen. Ein Fledermaus-SARS-Coronavirus kann menschliche Zellen infizieren.

Nutztiere als Brückenwirt
Doch sind Fledermäuse tatsächlich der Ursprung humaner Erkrankungen? „Genetisch ja“, erklärte Corman, „aber der Überträger war bisher immer ein Brückenwirt.“ Der Ursprung humaner Corona-Pandemien sind Nutztiere, die engen Kontakt zu Menschen haben. MERS wurde durch Kamele übertragen, SARS durch Zibetkatzen und Marderhunde. Auch in Wuhan schien die Ansteckung von einem Markt auszugehen, auf dem mit Wildtieren gehandelt wird, unter anderem Ratten, Dachse, Füchse und Schlangen. Aktuell sind Schuppentiere als Überträger im Gespräch. Das Säugetier zählt nach der Weltnaturschutzunion (IUCN) zum meist gehandelten und bedrohten Wildtier der Welt und ist besonders in China und Vietnam beliebt. Ob als Delikatesse oder als Zutat der chinesischen Medizin: Schuppentiere gelten als Allzweckwaffe, die Schuppen sollen beruhigend und heilend wirken. (VM)