Journal Club | Pferd 14.07.2016

Infusionstherapie bei Fohlen

Eine Hypovolämie kann bei Fohlen lebensbedrohlich sein, die Verschlechterung des klinischen Zustands kann rapide eintreten. Sicheres Erkennen und eine auf Fohlen ausgerichtete Behandlung sind von großer Bedeutung.

Das Management eines erkrankten neonatalen Fohlens unter Feldbedingungen kann eine Herausforderung sein. Die Aufrechterhaltung der Gewebeperfusion und die Behebung der Hypovolämie sind die Hauptziele der Infusionstherapie.

Unterschiede zwischen Fohlen und Adulten
Fohlen unterscheiden sich physiologisch von adulten Pferden, was bei der Infusionstherapie Beachtung finden muss. Fohlen haben einen höheren totalen Wassergehalt, einen höheren extrazellulären und einen geringeren intrazellulären Flüssigkeitsanteil. Als Bolus i. v. verabreichte Flüssigkeiten werden durch eine höhere kapilläre Filtration schnell ins Gewebe umverteilt. Übermäßig verabreichte Flüssigkeit wird zudem nicht im gleichen Maße wie bei adulten Pferden über die Nieren ausgeschieden.

Hypovolämie
Klinisch macht sich eine Hypovolämie bei Fohlen durch ein reduziertes Verhalten, schlecht palpierbaren peripheren Puls, kalte Extremitäten, verminderte Urinproduktion, reduzierte Füllung der Jugularvenen und eine verlängerte kapilläre Rückfüllungszeit bemerkbar. Klinische Anzeichen für eine Dehydration beim Fohlen sind ein verminderter Hautturgor, pappige Schleimhäute, trockene Kornea, eingesunkene Augen und eine verminderte Urinproduktion. Eine erhöhte Herzfrequenz ist kein verlässlicher Indikator für eine Dehydratation oder Hypovolämie bei Fohlen.

Infusionstherapie und Monitoring
Zur Behandlung von Fohlen mit einer Hypovolämie wird eine isotone kristalloide Lösung als Bolus von 10–20 ml/kg i. v. über ca. 20 min empfohlen, was ca. 1 l Infusion für ein 50 kg schweres Fohlen entspricht. Nach jedem Bolus sollte der klinische Erfolg der Infusionstherapie überprüft werden. Gute Monitoring­Parameter unter Feldbedingungen sind die Urinproduktion, die spezifische Dichte des Urins, das Verhalten, die Perfusion der Gliedmaßen, Darmgeräusche und die respiratorische Funktion. Als Laborwerte eignen sich Laktat, Hämatokrit, Gesamteiweiß sowie die Organparameter. Sollte das Fohlen nach einer Menge von 60–80 ml/kg i. v. nicht adäquat auf die Infusionstherapie ansprechen, sollte eine Überweisung in eine Klinik mit der Möglichkeit für eine kontinuierliche Infusions­ und gegebenenfalls notwendige inotrope Therapie in Betracht gezogen werden. Für die kurzzeitige Infusionstherapie unter Feldbedingungen kann ein Kurzzeitkatheter verwendet werden. Bei länger notwendiger Infusionsbehandlung ist möglicherweise das Legen eines Langzeitkatheters unter sterilen Bedingungen und gegebenenfalls unter Sedierung erforderlich. Neben der V. jugularis stehen dafür die V. cephalica, V. saphena und V. thoracica lateralis zur Verfügung. Bei der Aufrechterhaltung des Hydrationsstatus sollte jedes erkrankte Fohlen individuell betrachtet und die Infusionstherapie an den jeweiligen Fall angepasst werden. Die Berechnung der Aufrechterhaltung des Flüssigkeitsstatus basiert meistens auf dem täglichen Flüssigkeitsbedarf (ca. 4–6 ml/ kg/h i. v.) oder auf der aus der Humanmedizin abgeleiteten Holliday­Segar­Formel. Anhaltende Flüssigkeitsverluste wie z. B. bei Durchfall müssen zusätzlich berücksichtigt werden.

Infusionslösungen
Zur Infusionstherapie können sowohl kristalloide Lösungen (Ringer­Laktat, Hartmann‘s Solution) oder Kolloide sowie Kombinationen aus beiden verwendet werden. Isotone Natriumchloridlösung sollte nicht bei einer Hypovolämie angewendet werden, ist aber Mittel der Wahl bei Fohlen mit einer Blasenruptur oder anderen Ursachen für eine schwere Hyperkaliämie. Eine kontinuierliche Infusionstherapie kann sich unter Praxisbedingungen als schwierig erweisen. Stattdessen kann die zuvor genau kalkulierte benötigte Menge in Abhängigkeit vom Zustand des Fohlens in Abständen von 4–6 h als Bolus von je 1–2 l infundiert werden. Glukoselösungen werden zur Aufrechterhaltung des Blutglukosespiegels verabreicht. Bei Vorliegen einer Enteritis, bei Nierenversagen oder Diarrhoe kann die Anwendung von isotoner Natriumbicarbonatlösung neben anderen Infusionslösungen zur Aufrechterhaltung angezeigt sein. Natriumbicarbonatlösung darf nicht als Bolus verabreicht werden, da dies zu einer metabolischen Alkalose, Hyperkapnie und Hypokaliämie führen kann. Die benötigte Menge muss anhand des BE korrekt kalkuliert werden. Zum Einsatz von artifiziellen Kolloiden bei Fohlen liegen keine Studien vor. Plasma wird häufig zur Behandlung eines unzureichenden oder fehlenden passiven Transfers von Immunglobulinen und beim Vorliegen einer Hypoalbuminämie eingesetzt. Es sollte wegen möglicher Nebenwirkungen nicht als Bolus verabreicht werden. Die Hauptindikation für die Durchführung einer Bluttransfusion bei Fohlen ist eine neonatale Isoerythrolyse oder ein Trauma (z. B. Rippenfraktur). Dabei gelten die allgemeinen Anwendungsregeln für Bluttransfusionen.

Komplikationen
Mögliche Komplikationen bei der Infusionstherapie umfassen eine Überinfusion, Elektrolytverschiebungen und Katheter­assoziierte Erkrankungen. Klinische Anzeichen für eine Überinfusion sind Ödeme im Bereich der Unterbrust, Präputium, Knie und Ellbogen, Maul, distalen Gliedmaßen oder der Lunge (Auskultation!). Bei dem Auftreten von Ödemen muss die Infusionstherapie zunächst unterbrochen werden. Bei der vorsichtigen Wiederaufnahme der Infusionstherapie sollten die Fohlen gewissenhaft überwacht und die Elektrolytkonzentrationen engmaschig kontrolliert werden. Thrombophlebitiden können im Zusammenhang mit Langzeitkathetern auftreten. Das Risiko kann bei Risikopatienten sowie der Verwendung von hyperosmolaren Lösungen oder bei parenteraler Ernährung erhöht sein. Bei Verdacht auf eine Thrombophlebitis sollte der Katheter unmittelbar entfernt und ein neuer Katheter an anderer Lokalisation gelegt werden. Es ist angeraten, die Elektrolytkonzentrationen bei einer Infusionstherapie zu überwachen, da Elektrolytverschiebungen zu ernsthaften Komplikationen bei Fohlen führen können. Dr. Christiane Zaspel

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Comyn I (2016): Fluid therapy in foals. Livestock 21(2): 124–132.