Katze | Bemuskelung 27.05.2020

Kachexie: Der Muscle Condition Score

Bei chronisch kranken Katzen ist die Atrophie der Skelettmuskulatur ein leicht zu untersuchendes Merkmal. Analog zum Body Condition Score existiert hierfür der Muscle Condition Score (MCS). Nutzt er was?

- Bei chronisch kranken Katzen ist der Konditionsverlust ein häufiges und auffälliges Symptom.
- Kranke Tiere verlieren nicht nur Fett, sondern auch Muskulatur (= Hungern unter Stressbelastung), weshalb Gewicht und Bemuskelung beurteilt werden sollten.
- Analog zur Bestimmung der subkutanen Fettreserven mittels Body Condition Score (BCS) existiert für die Katze der Muscle Condition Score (MCS).
- Der MCS ist eine subjektive Methode zur Einschätzung der muskulären Verfassung.
- Die Beurteilung der Muskelmasse beinhaltet eine visuelle Untersuchung und das Abtasten der Muskelmasse über dem Schläfenbein, den Schulterblättern, den Lendenwirbeln und den Beckenknochen.
- Aus klinischer Sicht besteht kein direkter Zusammenhang zwischen dem BCS und dem MCS. Ein Tier kann übergewichtig sein, aber dennoch an Muskelmasse verlieren. Um dies zu bemerken, ist eine gründliche Untersuchung erforderlich.
- Eine objektive Evaluation des muskulären Zustandes erlaubt der Ultraschall.

Aktuelle Forschung zum Thema
In einer aktuellen Studie hat eine Forschergruppe bei 40 Katzen, die an mindestens einer chronischen Erkrankung leiden, den Muskelzustand mittels Ultraschall gemessen und mit dem MCS verglichen. Dabei zeigte sich eine erstaunlich gute Korrelation der beiden Werte. Dies bedeutet, dass der MCS als durchaus verlässliche und praktikable Methode zur Einschätzung der muskulären Verfassung einer Katze genutzt werden kann. Es wurden allerdings vor allem Katzen ähnlicher Größe untersucht.
Für genauere und objektive Messungen bietet die Ultraschalluntersuchung eine etwas aufwendigere, aber wenig invasive Option. Besonders hilfreich ist die Erfassung des Muskelzustandes für die Dokumentation eines fortschreitenden Krankheitsverlaufs.

Ausschnitt aus Journal-Club von Christian Schiffman, Der Praktische Tierarzt 06/2020.