frei zugänglich | Nutztier 04.02.2019

Kälbergeburtsgewicht: Wie lässt es sich beeinflussen?

Im Mittelpunkt der Forschung von Risikofaktoren für Schwer- und Totgeburten bei Milchkühen steht immer wieder das Geburtsgewicht. Was nimmt darauf Einfluss? Eine aktuelle Studie hat´s untersucht.

 - 
Foto: Klaus-Peter Wolf/pixelio.de

Das Kälbergeburtsgewicht ist ein maßgeblicher Faktor für den Verlauf des Geburtsvorganges bei Kühen, insbesondere bei Primipara. Sowohl sehr leichte als auch vergleichsweise schwere Kälber sind einem signifikant erhöhten Schwer- bzw. Totgeburtenrisiko ausgesetzt. Während niedrige Geburtsgewichte immer im Kontext zur Gestationslänge beurteilt werden sollten, um Rückschlüsse auf den fetalen Entwicklungsstand als mögliche Ursache für perinatale Mortalitäten ziehen zu können, spielt bei hohen Kälbergewichten das Verhältnis von Fetus und maternalem Becken eine wichtige Rolle. Eine aktuelle, frei zugängliche Studie hat nun Einflussfaktoren auf das Kälbergeburtsgewicht bei primi- und pluriparen Holstein Friesian Milchkühen untersucht.

Ergebnisse

Ingesamt wurden 1949 Kalbungen begleitet. Dabei kristallisierten sich folgende Parameter als einflussnehmend heraus:

  • Managementfaktoren und Haltungsbedingungen im Stall wie die Dauer und Intensität der Vorbereitungsphase und die Fütterung in den letzten zwei Wochen a. p.
  • Laktationszahl
  • Geschlecht des Kalbes: männliche im Durchschnitt vier Kilogramm schwerer.
  • Trächtigkeitsdauer: Längere Tragzeit = höheres neonatales Gewicht
  • Vorbereitungsdauer: Wenn lang, dann Geburtsgewicht höher
  • Sowohl bei Primi- als auch bei Pluripara zeigten erhöhte BHB- bzw. NEFA-Konzentrationen vor der Kalbung ein erhöhtes Geburtsgewicht der Kälber an.

Empfehlungen für die Praxis

Pluripare Kuh: Die Autoren empfehlen anhand ihrer Ergebnisse für die Geburt von Kälbern mit niedrigeren Geburtsgewichten bei pluriparen Kühen neben der passenden Auswahl des Anpaarungsbullen den Einsatz von gesextem Sperma zur Steigerung des Anteils weiblicher Nachkommen, die Überwachung von Tragezeiten mit der Nutzung der kontrollierten Geburtsinduktion und die Begrenzung des Ausmaßes und der Dauer der zweiten Trockenstehphase. Eine eventuell notwendige Geburtsinduktion kann anhand erhöhter Konzentrationen freier Fettsäuren (NEFA) im Blutserum zu Beginn der Vorbereitungsperiode ermessen werden, da diese einen Hinweis auf höhere Kälbergeburtsgewichte geben.

Primipare Kuh: Bei primiparen Kühen sind ebenfalls die Nutzung von gesextem Sperma, die Kontrolle der Trächtigkeitsdauer mit der Anwendung der Geburtsinduktion und die Beschränkung der Intensität und der Dauer der Vorbereitungsphase empfehlenswert.

Der Originalartikel "Untersuchung von Einflussfaktoren auf das Kälbergeburtsgewicht bei primi- und pluriparen Holstein Friesian Milchkühen auf einem Milchviehbetrieb" steht für Sie zum kostenfreien Download bereit.