Journal Club 01.03.2012

Kälteanwendung in der Frühphase der Hufrehe

Pathophysiologie: Kontinuierliche Anwendung von Kälte hemmt im frühen Entwicklungsstadium der Hufrehe eine Vielzahl von Entzündungsmediatoren und ist somit eine sehr wirkungsvolle prophylaktische Maßnahme.

Entzündungsprozesse spielen in der Pathogenese der akuten Hufrehe eine zentrale Rolle. Die entzündungslindernde Wirkung von Kälte ist seit alters her bekannt und so ist die Kryotherapie auch bei der Hufrehe bis heute regelmäßig Teil der Behandlung. Die Applikation von Kälte bewirkt eine Analgesie und einen Hypometabolismus im betroffenen Gewebe sowie eine Vasokonstriktion. Des Weiteren kommt es zu einer reduzierten Produktion und Aktivität von Entzündungsmediatoren und zu einer geringeren Migration und Adhäsion von Leukozyten.

In einer gemeinsamen Studie von australischen Wissenschaftlern der Universität Queensland mit amerikanischen Wissenschaftlern der Ohio State University sollte nun geklärt werden, inwieweit schon im Entwicklungsstadium der Hufrehe Entzündungsvorgänge durch Hypothermie an der Zehe des Pferdes gehemmt werden können. Von besonderem Interesse waren dabei eine Reihe von Zytokinen (Interleukin- 6, Interleukin-1ß, Interleukin-10), Chemokine (CXCL1, CXCL6, CXCL8/Interleukin-8, MCP-1, MCP-2), Zelladhäsionsmoleküle (ICAM- 1, E-Selectin) und Cyclooxygenase-2 (COX-2).

Für die Studie wurden 14 Warmblutpferde verwendet. Durch orale Verabreichung von Oligofructose (OF) (10 g/kg KG) wurde bei den Pferden eine Hufrehe induziert. Jeweils eine Vordergliedmaße aller Pferde wurde sodann bis zum Ende des Experiments kontinuierlich gekühlt. Die Kühlung erfolgte mit sogenannten Bigfoot Iceboots, die bis unter das Karpalgelenk mit einer Mischung aus 50 % Eis und 50 % Wasser gefüllt wurden. Dadurch konnte an der Hufkapsel eine Oberflächentemperatur von 4,2 °C (+/– 0,52 °C) erzielt werden. Die Hufkapsel der ungekühlten Gliedmaße auf der kontralateralen Seite hatte während des Experimentes eine Temperatur von 23 °C (+/– 1,4 °C). Bei der Hälfte der Pferde (DEV-Gruppe) wurde 24 Stunden nach der OF-Verabreichung und noch vor dem Auftreten klinischer Symptome die Blättchenlederhaut histochemisch untersucht, und zwar sowohl an der gekühlten als auch an der ungekühlten Gliedmaße. Bei der anderen Hälfte der Pferde (OG1-Gruppe) wurde die Blättchenlederhaut erst beim Auftreten einer klinischen Lahmheit ersten Grades untersucht. Die Gewebekonzentrationen der einzelnen Mediatoren wurden mittels quantitativer Echtzeit-PCR auf mRNA-Level bestimmt. Für die Messung wurde die mRNA ausgewählt, da auf dieser Ebene bereits einige Vergleichsdaten vorliegen und die Methode präzise und erprobt ist.

Innerhalb der OG1-Gruppe waren in den gekühlten Hufen die mRNA-Konzentrationen der meisten Entzündungsmediatoren deutlich geringer als bei den ungekühlten. Innerhalb der DEV-Gruppe waren in den gekühlten Hufen die mRNA-Konzentrationen von CXCL-1, ICAM-1, IL-1ß, CXCL8 und MCP-2 reduziert und die des entzündungshemmenden Zytokins Interleukin-10 erhöht.

Die Kühlung der Pferdezehe bewirkt demnach eine effektive Blockade der frühen Entzündungsstadien in der Huflederhaut. Sie reduziert Zytokine, COX-2, MMPs und die Aktivität bereits vorhandener Protease. Die vorliegende Studie belegt damit eine der wenigen wissenschaftlich nachgewiesenen Möglichkeiten zur wirkungsvollen Hufreheprophylaxe. Der hohe Aufwand zur Kälteapplikation mit dem gegenwärtig verfügbaren Equipment ist ein Nachteil der Kryotherapie. Außerdem fehlen noch Informationen zur Wirksamkeit dieser Therapieform, wenn die Kälteanwendung erst nach dem Einsetzen der klinischen Rehesymptomatik begonnen wird.

Quelle:
Eps van AW, Leise BS, Watts M, Pollitt CC, Belknap JK (2012):
Digital hypothermia inhibits early lamellar inflammatory signalling in the oligofructose laminitis model. Equine Vet J 44: 230–237.

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