Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift 28.05.2020

Kameraüberwachung an Schlachthöfen: Überlegungen zu Wirkung und Angemessenheit von Transparenzmaßnahmen

Camera surveillance in slaughterhouses: Reflections on effects and adequacy of transparency measures

Zusammenfassung
Aktuell wird vielfach eine Kameraüberwachung in Schlachtbetrieben gefordert, um tierschutzrelevante Verstöße im Umgang mit den Tieren zu verhindern. Das Versprechen hierbei lautet, großflächige Kameraüberwachung könne das Vertrauen der Bürger in das System des Schlachtprozesses erhöhen oder wiederherstellen. Die vorliegende Untersuchung beleuchtet genau dieses Versprechen kritisch und fragt, wer die Zustände im Schlachthof eigentlich zu verantworten hat. Sie zeigt, Transparenzmaßnahmen wie die Kameraüberwachung in Schlachtbetrieben kann nicht zu einer Steigerung oder Etablierung von Vertrauen in das Gesamtsystem führen; sie kann jedoch ein mögliches Mittel sein, verlässlichen Tierschutz im Schlachtprozess zu befördern. Jedoch bleibt fraglich, ob sie tatsächlich das geeignetste Mittel hierfür ist, da sie nur einen Bruchteil der Akteure direkt adressiert.

H inweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im folgenden Artikel bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Dies hat lediglich redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung.

Schlüsselwörter
Schlachtung, Transparenz, Verantwortung, Tierethik, Videoüberwachung

Summary
Current initiatives demand camera surveillance in slaughterhouses in order to prevent violations of animal protection in dealing with animals. Transparency measures like this promise an increase or re-installment of trust of the citizenry in the system of the slaughter process. This study examines this very promise critically, asking, who is “actually” responsible for the conditions in slaughterhouses. It shows transparency measures like camera surveillance in slaughterhouses is not a suitable means of increasing or establishing trust in the system as a whole. However, camera surveillance can be a possible method in order to advance reliable animal protection during slaughter processes. Whether it is the most suitable means for this, yet remains a suspect matter as it just addresses directly a small number of players involved.

Keywords
Slaughter, transparency, responsibility, animal ethics, video surveillance

Downloadartikel

Kostenloser Download

Klicken Sie hier, wenn Sie den Artikel BMTW_OA_19053_Hartstang (114 KB) als PDF herunterladen wollen.

Weitere Informationen zum Beitrag

© Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG