Reproduktion | Chirurgie 29.01.2018

Kastration und Alternativen

Alle Hunde kategorisch zu kastrieren ist keine zeitgemäße Vorgehensweise mehr. In Leipzig wurde über medikamentöse Alternativen gesprochen.

Viele Hundehalter fragen sich, ob sie ihr Tier kastrieren sollten. Einige fürchten die Nebenwirkungen der Operation oder glauben, dass sich das Wesen ihres Tieres verändern könnte. Da jüngere Erkenntnisse zeigen, dass die Kastration extragenitale Tumore fördern kann, haben Axel Wehrend und Theresa Conze in Leipzig über die medikamentöse Beeinflussung der Reproduktion bei Hündin und Rüden gesprochen. Folgendes kann hierbei festgehalten werden:

HÜNDIN: Trotz steter Bemühungen konnte für die Hündin derzeit noch keine wirkliche Alternative zur chirurgische Kastration gefunden werden. Impfungen gegen GNRH sind zwar verfügbar, es gibt aber noch sehr wenige Informationen, die den Einsatz in der Praxis empfehlen. Das für den Rüden gut geeignete GNRH-slow-releasing-Implantat kann bei der Hündin zu unterschiedlichen Nebenwirkungen (Dauerläufigkeit, Uteropathien) führen. Auch die Nebenwirkungen verfügbarer Gestagene sind nicht zu unterschätzen (u.A. Akromegalie, Insulinresistenz, Mammahyperplasie, Mammatumore).

RÜDE: Mit Einführung des GnRH-slow-Release-Implantates Suprelorin steht für den Rüden eine echte Alternative zur chirurgischen Kastration zur Verfügung. Durch die konstante Freisetzung eines GnRH-Agonisten kommt es nach einer anfänglichen Phase der Stimulation zu einer Downregulation der GnRH-Rezeptoren, die Ausschüttung von FSH zu LH sistiert, die Testosteronsynthese nimmt ab und die Hoden verkleinern sich. Ist der gesamte Wirkstoff verbraucht nehmen die Hoden wieder ihre Funktion auf. Folgendes ist zu beachten:

  • Die Fortpflanzungsfähigkeit nach Gabe des Implantates kann noch für eine Dauer von sechs bis acht Wochen nach Applikation beobachtet werden. Die anfängliche Stimulationsphase kann vom Besitzer als Therapieversager gewertet werden.
  • Für eine längere Zeit der Fortpflanzungsunterdrückung kann das Implantat wiederholt verabreicht werden. Dabei ist über eine chirurgische Kastration nachzudenken.
  • Das zweite Implantat sollte zu einem Zeitpunkt verabreicht werden, zu dem das erste Implantat noch wirkt. Sinnvoll ist die Gabe nach sechs (4,7 mg) bzw. 12 Monaten (9,4 mg).
  • Soll eine Rüde kastriert werden muss nicht abgewartet werden, bis die Implantatwirkung nachlässt.
  • Besteht zum Zeitpunkt der Implantatverabreichung eine Prostatavergrößerung kann sich diese in der initialen Stimulationsphase verschlechtern. Diese Rüden sollten mit Osateronacetat vorbehandelt werden, welches die Testosteronwirkung an der Prostata selektiv hemmt.
  • Soll eine Kastration im Rahmen einer Verhaltenstherapie durchgeführt werden, kann durch die Behandlung mit dem Implantat vorher überprüft werden, ob das unerwünschte Verhalten testosteronabhängig ist.
  • Das Implantat sollte erst nach Erreichen der Geschlechtsreife eingesetzt werden, dass sich durch die Hodenverkleinerung bzw. der Nicht-Vergrößerung der Hoden eine
    Zurückverlagerung in die Bauchhöhle entwickeln kann.
  • Zuchtrüden mit schlechten Ejakulatparametern können nach einer Implantatbehandlung kurzfristig eine Verbesserung ihrer Ejakulatparameter aufweisen.

Zehn Fragen und Antworten zum Thema Kastration

Ihre Mithilfe ist gefragt! Wir sind wieder auf der Suche nach den zehn häufigsten Tierhalterfragen, dieses Mal zum Thema Kastration. Welche Fragen hören Sie in der Sprechstunde am häufigsten? Hier können Sie Ihre Fragefavoriten ankreuzen. Die Teilnahme ist selbstverständlich anonym.