Verhalten | Hund 20.02.2020

Kastrationsberatung: Wann jaulen Hunde unter Hormoneinfluss?

Eine Studie hat untersucht, wie sich die Keimdrüsenhormone auf das Verhalten von Hündinnen auswirken. Tierärzte können daraus Schlüsse für ihr Beratungsgespräch zur Kastration ziehen.

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Menschen lieben Hunde – das zeigen Statistiken zur Haustierhaltung. Ebenso leben immer mehr Menschen in der Stadt und die Hunde somit in Mietwohnungen. Besonders im urbanen Umfeld ist es wichtig, dass Hunde gut sozialisiert sind. Aggressive Verhaltensweisen, Angst, bellen und jaulen – all das kann Besitzer in Schwierigkeiten bringen und die Mensch-Tier-Beziehung belasten.

Verhalten – hormongesteuert?
Natürlich wird das Verhalten nicht nur durch Hormone gesteuert. Eine aktuelle Studie hat 8981 auf den amerikanischen Verhaltensforscher James A. Serpell zurückgehende Canine Behavioral Assessment and Research Questionnaires (= sogenannte C-BARQ-Fragebögen) in Bezug auf das Verhalten von Hündinnen ausgewertet, die vor ihrem zehnten Lebensjahr kastriert wurden. Hierbei wurden das Alter bei der Kastration und die daraus resultierende Einflussdauer der Keimdrüsenhormone ins Verhältnis gesetzt, um die prozentuale Exposition der Keimdrüsenhormone im Bezug auf die Lebenszeit (= percentage lifetime exposure to gonadal hormones [PLGH]) zu bestimmen. In die Studie wurden ausschließlich Hündinnen einbezogen, die nicht wegen ihres Verhaltens kastriert wurden und bei denen die Kastration mindestens zwei Wochen her war.

Ergebnisse
Die Auswertung der Fragebögen ergab, dass Hündinnen mit einer geringen PLGH häufiger ängstliche und aggressive Verhaltensweisen zeigten. Die einzigen zwei Verhaltensweisen, die bei einer geringen PLGH signifikant häufiger auftraten, waren das Jaulen beim Alleinbleiben sowie das Nuckeln an Gegenständen. Diese Ergebnisse decken sich mit denen einer vorangegangenen Studie, die das Verhalten von männlichen Tieren untersuchte.
Eine längere PLGH konnte zehn (meist unerwünschte) Verhaltensweisen reduzieren, unter anderem ängstliches und aggressives Verhalten. Die Studie bestätigt bisherige Erkenntnisse, dass sich durch das Alter bei der Kastration das Verhalten des Tieres beeinflussen lässt, und unterstreicht, dass in Bezug auf die Kastration individuell beraten werden muss. So deuten die Studienergebnisse darauf hin, dass Keimdrüsenhormone bestimmte Verhaltensweisen reifen lassen. Da eine Studie, die sich auf Besitzerfragebögen stützt, auch Limitationen mit sich bringt, wären in Zukunft weitere prospektive Langzeitstudien unter Einbeziehung unterschiedlicher Rassen wünschenswert. (LP) 

Lesen Sie die Studie hier.