Eselmedizin | Wissenswertes 27.03.2019

Kennen Sie sich mit Eseln aus?

Esel sind keine langohrigen Pferde! Aufgrund ihres ruhigen Temperaments werden viele Krankheiten bei diesen Tieren erst spät erkannt. Wir haben zusammengefasst, was es für Tierärzte zu beachten gibt.

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Foto: Dieter Hawlan - stock.adobe.com

Esel stammen ursprünglich aus trockenen, kargen Gebieten; sie werden in großen Teilen der Welt als zuverlässige Arbeitstiere geschätzt. In Europa werden Esel jedoch meist als Heimtiere gehalten, sind häufig überernährt und haben schlechte Zähne. Folgende Unterschiede bestehen zum Pferd:

  • Allgemeines Verhalten: Esel sind keine typischen Fluchttiere und haben keinen ausgeprägten Herdentrieb. Koliksymptome zeigen sich weniger ausgeprägt.
  • Diagnostik: Da der Hämatokrit auch bei mittelgradig dehydrierten Tieren erst spät ansteigt ist er kein zuverlässiger Hinweisgeber.
  • Medikation: Je kleiner der Esel, desto kürzer die Halbwertszeit der meisten Medikamente. Verkürzte Halbwertszeiten sind bei verschiedensten NSAIDs wie Phenylbutazon, Metacam und Flunixin beschrieben und ein verkürztes Dosisintervall sollte gegebenenfalls in Betracht gezogen werden. Für Phenylbutazon empfiehlt sich die Dosis von 2,2(–4,4) mg/kg alle zwölf Stunden, bei kleinen Eseln auch alle acht Stunden, also eine dreimalige Gabe pro Tag. Für Antibiotika gibt es wenige Daten für die richtige Dosierung. Eine erhöhte Toxizität besteht aber gegenüber Imidocarb, Guaifenesin und Gentamicin (beim Mammothdonkey).
  • Behandlung: Die dicke Haut der Esel erschwert das Legen eines Venenkatheters, enge Nasengänge führen beim Schieben einer Nasen-Schlund-Sonde schneller zu Blutungen, epidurale Anästhesie wird zwischen dem 2. und 3. Schwanzwirbel durchgeführt, da dort der Zwischenwirbelspalt etwas größer ist.
  • Häufige Erkrankungen: Esel haben ein hohes Risiko, an einer Hyperlipämie (HL) zu erkranken. Die klinischen Symptome sind relativ unspezfisch (reduziertes Allgemeinbefinden, reduzierte Fresslust). Die Diagnose kann in der Außenpraxis bei hochgradigen Fällen einfach gestellt werden, indem eine Blutprobe für drei bis zehn Minuten aufrecht stehengelassen wird. Bei einem Wert > 5 mmol/l zeigt das Serum einen milchigen Charakter. Eine Hämatologie und blutchemische Untersuchung ermöglichen ein genaueres Einschätzen des Schweregrades der HL anhand der Triglyzeridwerte, der Dehydratation, Leber und Nierenfunktion sowie des Entzündungsstatus wie auch der Elektrolyte.

Weitere Hinweise zur richtigen Haltung von Eseln finden Sie hier. Ein gutes Nachschlagewerk für Tierärzte in englischer Sprache ist das „Handbook of the Donkey" . Abonennten der Zeitschrift Der Praktische Tierarzt können in der Aprilausgabe zudem einen ausführlichen Artikel zum Thema "Esel als Patienten" lesen.