Journal Club 29.07.2003

Kausale Risikofaktoren zum Krippensetzen, Weben und Kreiswandern bei Pferden in der Schweiz

In einer Schweizer Studie wurden Risikofaktoren untersucht, die mit dem Auftreten bestimmter stereotyper Verhaltensweisen des Pferdes, wie Krippensetzen, Weben und Kreiswandern verbunden sind.

Um eine große Auswahl an möglichen Risikofaktoren abzudecken und um ein repräsentatives Ergebnis zu erzielen, aber auch um auf kostengünstige Weise eine ausreichende Anzahl an Fällen zu erhalten, wurde auf dem Postwege ein Fragebogen an sehr viele nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Pferdehaltungen versandt. Die Antwortrate von 35,2 % (622 Ställe) war verhältnismäßig hoch, insbesondere wenn man die Länge und Komplexität des Fragebogens berücksichtigt. Vorhergehende Studien hatten ein sehr heterogenes Bild möglicher Ursachen für derartige Verhaltensauffälligkeiten ergeben. Ausgewertet werden konnten die Daten zu 2341 Pferden. Nach zwei verschiedenen statistischen Untersuchungsmethoden konnten aus einer Anzahl von 60 angenommenen Risikofaktoren einige wenige herausgefiltert werden. So wurde festgestellt, dass ausgewachsene Warmund Vollblutpferde, die viermal pro Tag gefüttert wurden und keinen täglichen Weidegang erhielten, eine erhöhte Bereitschaft zum Krippensetzen, Weben und Kreiswandern zeigten. Dies Ergebnis führt zu der Hypothese, dass eine kausale Prophylaxe solcher Verhaltensstörungen auf der Schaffung optimierter Haltungs- und Managementbedingungen beruhen muss. Dabei sind Körperkontakt zwischen den Pferden (Fellkraulen), tägliche Möglichkeit zur freien Bewegung (Paddock oder Weide), sowie das Angebot großer Mengen Rauhfutter bei geringer Kraftfuttermenge wichtige Faktoren. Weitere Forschungen auf diesem Gebiet, die eine Bestätigung dieser Hypothese ermöglichen könnten, wären wünschenswert.

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