Journal Club 17.04.2019

Kühl-Gamaschen zur Laminitis- Prophylaxe

Die Kryotherapie der Pferdezehe ist die einzige evidenzbasierte Prophylaxe für Sepsis-assoziierte Laminitis. Doch wirklich praktisch ist ein mit Eis und Wasser gefüllter Beutel um den Huf nicht. Wissenschaftler aus den USA haben Effizienz und Sicherheit einer Kühl-Gamasche untersucht.

Bei einer Sepsis sinkt durch Kühlen der Pferdezehe nachgewiesenermaßen das Risiko einer Laminitis. Wahrscheinlich werden durch Vasokonstriktion die Ausbreitung der Toxine in die Zehe vermindert, die Entzündungsreaktion reduziert und der Stoffwechsel der Lamellen verringert. Aktuell wird empfohlen,

  • eine Kryotherapie der Zehe vor oder bei Beginn einer Lahmheit mit Obel- Grad 2 zu beginnen.
  • die Hufwand auf 5–10 °C zu kühlen.
  • die Kühlung 48–72 Stunden, oder bis es keine klinischen Symptome einer Sepsis mehr gibt, aufrechtzuerhalten.

Meist wird der Huf dazu in ein Gemisch aus Eis und Wasser gestellt. Diese Methode ist für einen Zeitraum von 48 Stunden sicher, das heißt es entstehen keine kälteinduzierten Traumata. Doch das Pferd kann sich weder frei bewegen noch hinlegen. Amerikanische Wissenschaftler berichten, dass daher immer häufiger mit Eis gefüllte Gamaschen genutzt werden. In zwei Studien haben sie Effizienz und Sicherheit dieser Methode untersucht.

Effektive Kühlung – und der Huf bleibt frei
Die Forscher nutzten kommerziell erhältliche Kühl-Gamaschen, die von der Fessel bis zum Carpus oder Tarsus reichen und mit Crushed Ice gefüllt werden. Das Eis hat direkten Hautkontakt, Tauwasser fließt am unteren Rand der Gamasche ab. Bei acht gesunden Pferden wurde je ein Vorderbein gekühlt, das andere diente als Kontrolle. Die Temperatur wurde mittels inserierter Thermoelemente unter der Haut an beiden Metacarpi sowie innerhalb der dorsalen Lamellen an beiden Hufen gemessen. Einen Tag später induzierten die Forscher experimentell eine Sepsis, indem sie intravenös Endotoxin injizierten. Dann wiederholten sie die Kryotherapie und Temperaturmessung. Sowohl bei gesunden als auch bei endotoxämischen Pferden konnte die Kühl-Gamasche die mittlere Temperatur an der Haut und den Lamellen effektiv senken. Nach zwei Stunden lag sie direkt bei den Lamellen bei 10,2 °C, entsprach also den aktuellen Empfehlungen. Bei endotoxämischen Pferden wurden signifikant niedrigere Temperaturen erzielt als bei gesunden, was nach Ansicht der Autoren eventuell mit einer veränderten Perfusion der Hufe zusammenhängen könnte.

Kälteinduzierte Läsionen bei der Kryotherapie mit Kühl-Gamasche
Die eisgefüllte Gamasche kühlt also effektiv – aber ist sie auch sicher? In einer retrospektiven Studie an 285 Pferden, deren Gliedmaßen mittels einer Eis-Gamasche gekühlt wurden, wurde die Anzahl kälteinduzierter Verletzungen untersucht. Erfrierungen treten beim Pferd im Gegensatz zum Menschen erst bei Temperaturen unter 0 °C auf. 26 Prozent der Pferde, die eine Kühl-Gamasche getragen hatten, zeigten eine pathologische Veränderung, meist ein unspezifisches Ödem der distalen Gliedmaße. Bei sieben Prozent der Pferde traten zusätzliche, potenziell kältebedingte Gewebeverletzungen auf, die in einigen Fällen klinisch relevant waren und eine weitere Therapie erforderten. Allerdings sind für einige der dokumentierten Veränderungen auch andere Ursachen denkbar.
Insgesamt konnte – auch weil es keine Kontrollgruppe gab – der kausale Zusammenhang zwischen Traumata und Kryotherapie nicht wirklich nachgewiesen werden. Doch das Risiko scheint höher als bei einer Kühlung mit Eis-Wasser-Gemisch. Immerhin kommt bei der Kühl-Gamasche das 0 °C bis –20 °C kalte Eis in direkten Kontakt mit der Haut, während bei einem Eis-Wasser-Gemisch vor allem das 0°C-Wasser Kontakt hat. In jedem Fall raten die Autoren bei Kryotherapie über einen längeren Zeitraum zu einem Monitoring auf kälteinduzierte Veränderungen.
VIOLA MELCHERS

Originalpublikationen:
Burke MJ, Tomlinson JE, Blikslager AT, Johnson AL, Dallap-Schaer BL (2018): Evaluation of digital cryotherapy using a commercially available sleeve style ice boot in healthy horses and horses receiving i. v. endotoxin. Equine Vet J 50: 848–853.
DOI 10.1111/evj.12842.

Proctor-Braun L, Hicks R, Colmer S, Guilfoyle D, Dallap-Schaer B, Johnson AL, Tomlinson J (2018): Distal limb pathologic conditions in horses treated with sleeve- style digital cryotherapy (285 cases). Res Vet Sci 121: 12–17.
DOI 10.1016/j.rvsc.2018.09.008.

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