Journal Club 01.06.2010

Lidocain ungeeignet zur Therapie von Hufrehe

Reheforschung: Aufgrund der bekannten entzündungshemmenden Wirkung wurde vermutet, dass systemisch verabreichtes Lidocain zur Prophylaxe und Therapie der akuten Hufrehe geeignet wäre. Dies ließ sich nicht bestätigen.

Hufrehe ist eine schwere Erkrankung der Huflederhaut, die eine Vielzahl von Ursachen haben kann. So ist die akute Entzündung der Huflederhaut auch eine Folge von septischen Zuständen. Diese Art der Organmanifestation ist auch in der Humanmedizin bekannt und wird dort durch die intravenöse Applikation von Lidocain in der Frühphase der Sepsis behandelt. Es erscheint also naheliegend, dass auch beim Pferd durch das frühzeitige Verabreichen von Lidocain die Hufrehe abgewendet werden kann, zumal Lidocain in der Pferdemedizin ein gut bekannter Wirkstoff ist. Hauptsächlich wird Lidocainhydrochlorid in der Diagnostik und Therapie als Lokalanästhetikum eingesetzt. Es kann aber auch systemisch angewendet werden, so zum Beispiel bei ventrikulären Herzrhythmusstörungen oder zur Behandlung bei postoperativem Ileus. Lidocain hat aber auch eine breite Wirkung auf systemische Entzündungsprozesse. Es konnte gezeigt werden, dass es die Aktivität neutrophiler Granulozyten hemmt, ebenso wie die Produktion freier Radikale und die Phagozytose. Außerdem wird die Expression diverser Entzündungsmediatoren in Epithelzellen, Endothelzellen und neutrophilen Granulozyten verringert. Da diese zellulären Abläufe auch bei der Entstehung der Hufrehe eine zentrale Rolle spielen, untersuchte ein Team namhafter Hufreheforscher an der Ohio State Universität die Wirkung von intravenös verabreichtem Lidocain auf die Enzündungsprozesse bei der Entstehung von Hufrehe.

Für diese Untersuchung wurde bei zwölf gesunden Warmblutpferden mit einem Extrakt aus dem Kernholz des Schwarznussbaums (black walnut extract=BWE) künstlich eine Hufrehe ausgelöst. BWE wird in den USA häufig für derartige Studien verwendet. Die in der Folge auftretende heftige Hufrehe ist genau untersucht und dient als Model für wissenschaftliche Untersuchungen. In der vorliegenden Studie erhielten alle zwölf Pferde BWE. Unmittelbar im Anschluss bekamen sechs der Pferde 1,3 mg/kg KG Lidocain als Bolus verabreicht, gefolgt von einer zehnstündigen Dauertropfinfusion mit 0,05 mg/kg KG/min. Die anderen sechs Pferde erhielten reine Kochsalzlösung im gleichen Behandlungsablauf. Im Verlauf der Untersuchung wurden den Pferden diverse biochemische und histologische Proben entnommen. Bei der Auswertung konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen in der Konzentration der mRNA für Entzündungsgene (zur Expression von IL-1ß, IL-6, IL-8, COX-2) festgestellt werden. Ebenso wenig unterschied sich die Anzahl der Leukozyten im laminären Interstitium oder der Lederhaut. Lediglich E-selectin mRNA war in der Lidocaingruppe erhöht.

Die Studie zeigt, dass eine kontinuierliche intravenöse Verabreichung von Lidocain die Entzündungsprozesse bei einer durch BWE ausgelösten Hufrehe nicht beeinflusst. Damit wird die intravenöse Lidocaingabe als systemische antiinflammatorische Therapie generell in Frage gestellt.

(Quelle: Williams JM, Lin YJ, Loftus JP, Faleiros RR, Peroni JF, Hubbell JAE, Ravis WR und Belknap JK (2010): Effect of intravenous lidocaine administration on laminar inflammation in the black walnut extract model of laminitis.Equine Vet J 42 (3), 261–169.)

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