bpt | Editorial 29.04.2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

fast alle Wirtschaftsexperten prophezeien, dass in den kommenden Monaten aus der Corona-Gesundheitskrise eine veritable Wirtschaftskrise wird.

Zumindest für 2020 wird mit einer heftigen Rezession gerechnet, mit Wohlstandsverlusten von 3 – 5 %. Die Frage ist also nicht mehr, ob, sondern welchen wirtschaftlichen Schaden das Corona-Virus anrichtet und vor allem wie schnell Deutschland wieder auf die Erfolgsspur zurückfindet. Gibt es einen kurzen Einbruch oder müssen wir uns auf eine längere Rezession einstellen? Für Deutschland als Exportnation ist dabei besonderers wichtig, wie sich die Auslandsmärkte in USA, China und Europa entwickeln. Während wir hier langsam, aber sicher schon mit dem ‚Lockout‘ beginnen, stecken die meisten unserer Handelspartner noch tief in der Krise. Außerdem: Geld gibt nur der aus, der einigermaßen sichere Zukunftsvorstellungen hat. Deshalb ist es richtig und wichtig, dass unser Staat der Wirtschaft jetzt massiv unter die Arme greift, um u. a. die Arbeitslosigkeit so gering wie möglich und damit die Konsumenten bei Laune zu halten. Das wird auch der Tierärzteschaft helfen. Mut sollte der Tierärzteschaft aber auch machen, dass die Finanzkrise vor 10 Jahren gezeigt hat, dass für Tiergesundheit auch in Krisenzeiten Geld ausgegeben wird.

Vor diesem Hintergrund ist die Einstufung der Tierärzte als „systemrelevanter Beruf“ wichtig. Auch wenn das nicht in allen (aber fast allen) Bundesländern zum Anspruch auf Kinderbetreuung führt, ist es doch der wichtigste Garant dafür, dass die Praxen trotz Ausgangsbeschränkung geöffnet bleiben können. Wenn man sich ansieht, welche wirtschaftlichen Schäden der ‚Shutdown‘ gerade für die Kleintier- und Pferdepraxen in unseren europäischen Nachbarländern mit Umsatzrückgängen von bis zu 90 % anrichtet, dann erkennt man die Bedeutung dieser Entscheidung. Deshalb ist es jetzt auch einmal an der Zeit, der Bundesregierung für ihr effektives, schnelles und unaufgeregtes Corona-Krisenmanagement ein dickes Lob auszusprechen. Ob Systemrelevanz, AZG-Flexibilisierung oder GOT-Notdienstnovelle Anfang des Jahres – dass das dann doch alles so schnell umgesetzt wurde, ist auch das Verdienst der für uns zuständigen, in den letzten Monaten aber auch oft heftig kritisierte Bundesministerin Julia Klöckner.

Und auch das muss mal gesagt werden: Wäre die Tierärzteschaft in diesen Wochen beim Gesundheitsministerium ressortiert gewesen, dann wären wir in dem ganzen Trubel heillos untergegangen. Insbesondere das BMEL hat dafür gesorgt, dass die Tierärzte den gesellschaftlichen Stellenwert bekommen, der ihnen gebührt, nämlich als Garanten für eine sichere Nahrungsmittelversorgung, für Tiergesundheit und Tierschutz!
 
Ihr Heiko Färber