Journal Club 03.05.2018

Lungenwürmer senken Milchleistung um mehr als 1,5 kg/Tag

Die wirtschaftlichen Folgen von Lungenwurminfektionen bei Milchkühen wurden bisher vor allem auf Herdenniveau untersucht. Eine neue Studie schärft den Blick für das Einzeltier.

Infektionen mit dem Großen Lungenwurm Dictyocaulus viviparus können in stark betroffenen Herden erhebliche wirtschaftliche Verluste hervorrufen. Milchmenge und -qualität leiden und das Problem kann oft bereits durch die serologische Untersuchung von Tankmilch nachgewiesen werden. Was aber, wenn der Infektionsdruck geringer ist, die Tankmilch unauffällig, kein Husten bemerkt wird?

Grünlandbetriebe unter der Lupe
In 17 kleinen und mittleren Grünlandbetrieben in Deutschland wurden über einen Sommer und Herbst 1988 Kotproben von 1166 Milchkühen auf D. viviparus untersucht. Zusätzlich checkten die Forscher Tankproben und Einzelgemelke auf Milchmenge, Eiweiß- und Fettgehalt und achteten auf hustende Tiere. Mit statistischen Mitteln prüften sie mögliche Zusammenhänge zwischen Lungenwurminfektion und Milchparametern beim Einzeltier.

Ergebnisse
D. viviparus wurde in vier von 17 Betrieben gefunden. Auf Kuhebene lag die Prävalenz bei 0,9 Prozent im Sommer und 3,4 Prozent im Herbst. In keiner einzigen Tankprobe wurde der ELISACut- off-Wert überschritten. Nur ein einziges Einzelgemelk war ELISA-positiv. Die Milchleistung der Kühe mit patenter Infektion war im Durchschnitt um 1,62 kg/Tag reduziert; jedoch waren keine signifikanten Auswirkungen auf den Protein- oder Fettgehalt nachweisbar. Husten wurde bei 5,9 Prozent der Kühe festgestellt, jedoch hatten nur weniger als fünf Prozent der hustenden Tiere eine Lungenwurminfektion, d. h. mehr als 95 Prozent der hustenden Tiere waren D. viviparus-negativ.

Schlussfolgerungen
Aufgrund der serologisch negativen Proben gehen die Autoren davon aus, dass bei den meisten Kühen eine Reinfektion mit Dictyocaulus viviparus vorlag. Der vorhandene (Rest-)Schutz wird als Erklärung für die fehlende Beeinträchtigung von Protein- und Fettgehalt der Milch angenommen.
Offensichtlich war aber, dass auch in Abwesenheit klinischer Symptome und bei serologisch negativen Milchproben eine deutlich reduzierte Milchleistung vorliegen kann. Auf Husten als Indikator kann man sich nicht verlassen. Wirklich verlässlich sind nur Kotuntersuchungen.
Christiane Fetzer

Originalpublikation:
May K, Brügemann K, König S, Strube C (2018): The effect of patent Dictyocaulus viviparus (re)infections on individual milk yield and milk quality in pastured dairy cows and correlation with clinical signs. Parasit Vectors 11: 24.
DOI 10.1186/s13071-017-2602-x.