Journal Club 09.10.2019

Medizinischer Honig in der Wundheilung

Auf der Wunde ja, aber in der Wunde? Es scheint, dass medizinischer Honig nicht nur an der Oberfläche seine Stärken ausspielen kann.

Beim Pferd treten Infektionen und Wunddehiszenzen nach einfachen Verletzungen recht häufig auf und bislang fehlt es dazu an zuverlässigen Präventivmaßnahmen. Es ist bekannt, dass Honig bei lokaler Applikation zur Wundheilung beitragen kann; nicht untersucht ist bisher die Wirkung bei Einbringen von Honig in die Wunde vor dem Wundverschluss.

Diese Frage wurde nun Gegenstand einer randomisierten klinischen Studie, die an der Tierärztlichen Hochschule in Israel koordiniert und von elf Kollegen im Feld durchgeführt wurde. Die Tierärzte erhielten Randomisierungsumschläge und waren gehalten, den jeweils nächsten Umschlag vor Ort bei einem Fall mit geplantem primärem Wundverschluss zu öffnen, um zu sehen, ob Honig angewendet werden sollte oder nicht. Der Honig (L-Mesitran Gel) wurde einmalig in die Läsion eingebracht. Daten wurden zum Zeitpunkt der Wundversorgung und zum Zeitpunkt des Fädenziehens erhoben.

Ergebnisse
Es kamen 127 Fälle zur Auswertung, davon 69 mit Mesitran behandelte und 58 unbehandelte Fälle. Nebenwirkungen traten der Dokumentation zufolge nicht auf. Die Chance der mit Honig behandelten Pferde auf eine vollständige Heilung lag etwa 3,4-mal so hoch wie die der Kontrolle, die Chance auf Ausbleiben einer Infektion etwa 3,6-mal so hoch und die Chance, dass der behandelnde Tierarzt mit dem Ergebnis zufrieden war, lag bei den mit Honig behandelten Pferden etwa 2,7-mal so hoch wie bei der Kontrolle.

Diskussion
Diese Zahlen scheinen eindeutig für die intraoperative Anwendung von medizinischem Honig zu sprechen. Doch bedürfen die Ergebnisse weiterer Abklärung, da die hier behandelten Wunden nicht standardisiert waren und eine objektive Beurteilung der Wundheilung mit gleichen Maßstäben entsprechend schwierig durchzuführen war. Außerdem wurde die Beurteilung von unverblindeten Personen vorgenommen, was zu Voreingenommenheit führen kann. Die Autoren empfehlen deshalb größere, besser standardisierte und verblindete Studien, um das Potenzial des medizinischen Honigs besser abzuklären. Wir dürfen gespannt sein!
CHRISTIANE FETZER

Originalpublikation:
Mandel HH, Sutton GA, Abu E, Kelmer G (2019): Intralesional application of medical grade honey improves healing of surgically treated lacerations in horses. Equine Vet J.
DOI 10.1111/evj.13111.