Journal Club | Kleintiere 14.06.2015

Metastasierender ovarieller Granulosazelltumor bei einem syrischen Goldhamster

Der Granulosazelltumor ist die am häufigsten diagnostizierte spontane Neoplasie der Ovarien beim Hamster. Spontane Ovarialtumoren sind bei den Nagern generell aber selten.

Ovarielle Tumoren werden aufgrund ihres Ursprungsgewebes in unterschiedliche Gruppen eingeteilt. Granulosazelltumoren leiten sich aus den Granulosazellen der Follikel ab und kommen beim Menschen sowie bei zahlreichen Säugetieren vor. Granulosazelltumoren treten zumeist unilateral auf und produzieren Östrogen. Veränderungen wie eine vergrößerte Vulva, blutiger vaginaler Ausfluss oder Alopezie sind auf die Östrogenproduktion zurückzuführen. Der vorliegende Fallbericht beschreibt die klinischen sowie pathohistologischen Befunde eines spontan auftretenden malignen Granulosazelltumors mit anschließender Metastasierung bei einem syrischen Goldhamster.

Fallbericht
Ein eineinhalbjähriger, weiblicher, nulliparer syrischer Goldhamster wurde wegen einer Umfangsvermehrung des Abdomens in der Praxis vorgestellt. Zuvor zeigte der Hamster einen leicht rötlichen, wässrigen Scheidenausfluss. Während der Untersuchung konnte eine walnussgroße, derbe Umfangsvermehrung im Abdomen des Tieres festgestellt werden. Mittels Ultrasonografie wurde ein Aszites diagnostiziert. Eine inhomogene Masse mit glatter Begrenzung und flüssigkeitsgefüllten Hohlräumen, die fast das gesamte Abdomen ausfüllte, war ein weiterer Befund der ultrasonografischen Untersuchung. Aufgrund dieser Befunde wurde die Verdachtsdiagnose Neoplasie gestellt. Während der chirurgischen Intervention konnte die Umfangsvermehrung als rechtes Ovar identifiziert werden. Der Hamster wurde daraufhin rechtsseitig ovariektomiert. Die übrigen abdominalen Organe wiesen makroskopisch keine Hinweise auf Metastasen auf. In der histopathologische Untersuchung des exzidierten Ovars zeigten sich Girlanden und Stränge aus hochprismatischen Zellen mit hoher Anisozytose und Kernpolymorphie. Die Neoplasie war von einem fibrovaskulären Stroma durchzogen und zeigte multifokale Nekroseherde, teilweise mit Blutungen. Aufgrund der Histopathologie wurde die Diagnose eines wenig differenzierten Granulosazelltumors gestellt. Zwei Tage post operationem zeigte sich der Hamster in einem guten Allgemeinzustand. Bei der Kontrolluntersuchung sechs Wochen post OP konnten ultrasonografisch keine Abweichungen von der Norm festgestellt werden. Fünf Monate post operationem zeigte der Hamster eine verminderte Futteraufnahme sowie eine Umfangsvermehrung des kranialen Abdomens. Ultrasonografisch stellte sich die Veränderung als gewebige, inhomogene Masse im Bereich der Leber dar. Zusätzlich konnte erneut ein Aszites festgestellt werden. Eine exakte Zuordnung der Veränderung zu einem Organ war jedoch nicht möglich, sodass der Verdacht auf eine Metastasierung des ovariellen Granulosazelltumors gestellt wurde. Während der Laparotomie fand sich in der rechten Leberhälfte eine ca. haselnussgroße, makronoduläre weißlich beige Umfangsvermehrung. Nach einem während der Narkose auftretenden Atemstillstand konnte der Hamster nicht mehr reanimiert werden und verstarb. Die histopathologische Untersuchung der hepatischen Umfangsvermehrung ergab ein herdförmig mit zahlreichen Populationen hochprismatischer Zellen mit hoher Polymorphie und hoher mitotischer Aktivität durchsetztes Leberparenchym. Diese Befunde sprachen für eine Metastase des malignen Granulosazelltumors.

Diskussion
Spontane Neoplasien insbesondere des Reproduktionstraktes kommen bei syrischen Goldhamstern selten vor. Meist erkranken vor allem eher ältere Tiere an Granulosazelltumor (Durchschnittsalter 7–131 Wochen). Zumeist können ovarielle Tumoren beim syrischen Goldhamster nur histopathologisch post mortem erkannt werden, bevor sie sich auch klinisch manifestieren. Im vorliegenden Fallbericht konnte die Veränderung jedoch bereits makroskopisch mittels Palpation und auch ultrasonografisch am lebenden Tier nachgewiesen werden. Eine Östrogenbestimmung war aufgrund der geringen Größe des Patienten präoperativ nicht möglich. Der beobachtete Scheidenausfluss war möglicherweise auf eine vermehrte Östrogenproduktion der Neoplasie zurückzuführen, zumal dieser nach der Tumorresektion verschwand. Differenzialdiagnostisch kamen hier endometriale Neoplasien oder Entzündungen als Ursache des Ausflusses infrage. Die Untersuchungen gaben aber keine Hinweise auf derartige Erkrankungen. Granulosazelltumoren treten auch bei anderen Kleintieren auf. Bei Gerbilden sind sie sehr viel häufiger beschrieben als bei syrischen Goldhamstern. Im Gegensatz zu Granulosazelltumoren beim syrischen Goldhamster kommen diese Neoplasien bei Gerbilen häufiger bilateral als unilateral vor und metastasieren häufiger. Die Metastasen sind bei Gerbilen meist im Omentum und seltener im Mesenterium zu finden. Die Standardtherapie bei humanen Granulosazelltumoren besteht in der Resektion des tumorösen Ovars. Der Nutzen einer begleitenden Radio­ oder Chemotherapie ist zumindest in der Humanmedizin nach kompletter Entfernung eines Granulosazelltumors nicht belegt. Eine adjuvante Therapie mit Cisplatin, Etoposid und Bleomycin zeigt sich nach der unvollständigen Resektion eines humanen ovariellen Granulosazelltumors hingegen möglicherweise als vorteilhaft. Der syrische Goldhamster im vorliegenden Fallbericht war aufgrund seiner geringen Größe nicht mit dieser adjuvanten Chemotherapie behandelbar. Außerdem konnte makroskopisch das komplette neoplastische Ovar entfernt werden. Obwohl eine komplette Resektion des rechten Ovars erfolgte, kam es trotzdem zur Metastasierung des Granulosazelltumors in die Leber. Die Untersuchung auf weitere Metastasen war nicht möglich, da der Tierkörper nicht für eine Sektion zur Verfügung stand.

Schlussfolgerung
Granulosazelltumoren bei syrischen Goldhamstern sind selten, sollten jedoch bei einer Umfangsvermehrung des Abdomens als Differenzialdiagnose in Betracht gezogen werden. Auch nach vollständiger Resektion des tumorösen Ovars kann es zu einer Metastasierung des Granulosazelltumors z. B. in die Leber kommen.

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Mattil-Fritz S, Fritz M (2014): Metastasierender Granulosa- zelltumor bei einem syrischen Goldhamster. Kleintierprax 6: 313–320