Journal Club 06.12.2004

Myelotoxizität von Azathioprin

Azathioprin ist ein zytotoxisches Medikament, dessen aktiver Metabolit, das 6-Thioguanin-Nucleotid, bei der DNS Synthese durch die DNS-Polymerase in den neu synthetisierten Strang inkorporiert wird. Ein so induzierter Strangbruch hat den Untergang der sich teilenden Zelle zur Folge.

Die durch diesen Mechanismus induzierten unerwünschten Wirkungen umfassen Knochenmarkssupression mit Leukopenie, Thrombozytopenie oder Anämie, Hepatitis, Pankreatitis und mannigfaltige gastrointestinale Nebenwirkungen aufgrund einer gestörten Regeneration der Enterozyten. Das Einsatzgebiet von Azathioprin sind vor allem immunmediierte Erkrankungen des Hundes. Bei der Katze wird Azathioprin nicht eingesetzt, da es letale Nebenwirkungen hat. Vom Menschen ist bekannt, dass es individuell sehr stark variable Thiopurin-Methyl-Transferase Aktivitäten gibt, die zu individuell stark variablen Wirksamkeiten von Azathioprin führen. In der kürzlich abgeschlossenen Untersuchung konnte anhand von 177 Blutproben von Hunden nachgewiesen werden, dass die Aktivität der Thiopurin- Methyl-Transferase auch beim Hund starken individuellen Schwankungen unterliegt. Es besteht keine Abhängigkeit von Geschlecht, Alter oder Kastration. Jedoch konnte gezeigt werden, dass bestimmte Rassen eine erhöhte oder reduzierte Aktivität aufweisen. Riesenschnauzer zeigten eine gegenüber dem Durchschnitt massiv reduzierte Thiopurin- Methyl-Transferase Aktivität und Alaskan Malamutes eine deutlich erhöhte Aktivität. Diese deutlichen Variationen zeigen dass Wirksamkeitsunterschiede, sowohl zwischen einzelnen Individuen, aber auch zwischen verschiedenen Rassen zu erwarten sind. Damit ist eine individualisierte Dosierung nötig.

(Quelle:
D.B. Rodriguez et al:
Relationship between Red Blood Cell Thiopurine Methyltransferase Acivity and Myelotoxicity in Dogs Receiving Azathioprine.
J.Vet. Int.Med., 18, 339 - 345 (2004).)

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