Journal Club 06.03.2018

Nasenausfluss beim Pferd: Mikrobiologische Untersuchung bei Sinusitis

Eine Review fasst den derzeitigen Wissensstand mikrobiologischer und zytologischer Untersuchungen von Nasennebenhöhlen-Sekreten zusammen. Könnten die Ergebnisse dabei helfen, die Ätiologie einer Sinusitis zu klären und diese gezielter zu therapieren?

Bei einigen Erkrankungen der Atemwege ist die Untersuchung von Sekretproben für die Diagnostik sehr hilfreich. So ist zum Beispiel die Analyse von bronchoalveolärer Lavage-Flüssigkeit eine sensitive Methode, um Erkrankungen wie die chronisch obstruktive Bronchitis zu diagnostizieren. Dies lässt vermuten, dass eine Untersuchung von Nasennebenhöhlen-Sekreten möglicherweise dazu beitragen könnte, der Ätiologie einer Sinusitis auf die Spur zu kommen.

Entzündung und Nasenausfluss
Sinusitis ist beim Pferd eine häufige Erkrankung. Sekrete aus den Sinus fließen über die Apertura nasomaxillaris in die Nasengänge ab. Diese nasomaxilläre Öffnung ist sehr eng, sodass es bei einer Entzündung zu einem Sekretstau kommen kann. Wenn Pferde mit dem Verdacht einer Sinusitis vorgestellt werden, ist die Erkrankung meist schon in einem chronischen Stadium. Das Nebenhöhlen- Sekret ist vermehrt, eingedickt und manchmal käsig. Klinisch fallen häufig einseitiger Nasenausfluss sowie eine reaktive Umfangsvermehrung des ipsilateralen mandibulären Lymphknotens auf. Zu bedenken ist einerseits, dass der Ausfluss nicht unbedingt aus den Nasennebenhöhlen stammen muss. Andererseits ist bei einer kompletten Obstruktion der Nebenhöhlen trotz bestehender Sinusitis zum Teil kein Sekret im Bereich der Nüster zu sehen.

Konsistenz und Geruch des Sekrets können erste Hinweise auf die zugrunde liegende Erkrankung geben:

  • bei primärer Sinusitis ist der Ausfluss meist eitrig, aber geruchlos
  • übel riechendes, eitriges Sekret spricht für eine dentogene Ursache
  • durchsichtige, honigfarbene Flüssigkeit kann auf eine Sinus-Zyste hinweisen
  • Nasenbluten tritt vor allem bei einer traumatischen Sinusitis oder einem progressiven Siebbeinhämatom auf

Mikrobiologie der Nebenhöhlen
Die Rolle von Bakterien bei der Sinusitis des Pferdes ist bisher kaum untersucht worden. Mehr Daten gibt es aus der Human- und Kleintiermedizin. Zur physiologischen bakteriellen Besiedelung gesunder Sinus gibt es jedoch auch in der Humanmedizin keinen Konsens. Das Bakterienspektrum bei der primären Sinusitis und der akuten Rhinosinusitis des Menschen ist vergleichsweise klein; es gibt auch einige Berichte über Reinkulturen. Beim Menschen werden häufig Streptokokken isoliert und auch beim Pferd ist ihr Nachweis beschrieben. Bei chronischen Erkrankungen scheint es hingegen sowohl bei Menschen als auch bei Kleintieren eine Tendenz zu gemischten Bakterienkulturen zu geben, in denen Enterobakterien und Pseudomonaden stärker vertreten sind. Die Autoren nehmen an, dass dies wahrscheinlich auch für das Pferd zutrifft, was nachfolgende Untersuchungen klären sollen. Sinusitiden dentalen Ursprungs spielen beim Pferd eine bedeutendere Rolle als beim Menschen. Hier dominieren speziesübergreifend gramnegative, obligate Anaerobier.

Viola Melchers

Originalpublikation:
Gergeleit H, Bienert-Zeit A, Ohnesorge B (2017): Cytological and microbiological examination of secretions from the paranasal sinuses in horses and other species. J
Equine Vet Sci 61: 22–31. DOI 10.1016/j. jevs.2017.11.001.

Drei Fragen an Erstau tor Hauke Gergeleit
Wann ist eine Untersuchung des Nasennebenhöhlen- Sekrets sinnvoll?
»»Hauke Gergeleit: Erste Ergebnisse unserer eigenen Untersuchungen haben gezeigt, dass sich vor allem aus einer mikrobiologischen Untersuchung Hinweise auf die Ätiologie einer Sinusitis ergeben. Sie kann eine Entscheidungshilfe sein, wenn unklar ist, ob es sich um eine primäre Sinusitis handelt oder eine Zahnerkrankung vorliegt. In einigen Fällen sind die Befunde an den Zähnen und auf den Röntgenbildern nicht eindeutig, sodass es in der Regel einer CT-Untersuchung bedarf, um eine gesicherte Diagnose stellen zu können. Welche Aussagen aufgrund einer Zytologie möglich sind, ist noch nicht abschließend ausgewertet. Bisher zeigt sich, dass die Fülle an mikroskopisch sichtbaren Bakterien ein Unterscheidungsmerkmal von dentogenen gegenüber anderen Sinusitiden darstellen kann. Außerdem könnte die Zytologie eventuell bei Verdacht auf eine Neoplasie, eine Paranasalzyste oder ein Siebbeinhämatom hinweisend sein.

Welche Methode empfehlen Sie zur Probenahme?
»»Hauke Gergeleit: Die Methode sollte einerseits möglichst wenig invasiv sein, andererseits ein möglichst geringes Risiko für Kontamination haben. Gängig sind der Nasentupfer, wobei man hierbei natürlich viele Keime von der Nüster mitnimmt, oder die vergleichsweise invasive Probenahme nach Trepanation. Wir haben die Proben transendoskopisch genommen. Einen flexiblen, steuerbaren Katheter konnten wir in die Apertura nasomaxillaris einführen und so gezielt und ohne Kontaminationsrisiko eine Probe entnehmen.

Ermöglicht eine Sekretuntersuchung eine gezielte antibiotische Behandlung?
»»Hauke Gergeleit: Durch eine mikrobiologische Sekretuntersuchung können Keime gezielt nachgewiesen werden. Bei der Auswahl eines passenden Antibiotikums nach Resistenztest sollte jedoch die Pathogenität dieser Keime berücksichtigt werden, da ein Nachweis von ubiquitären und kommensalen Keimen möglich ist. Vor allem beim Nachweis von Anaerobiern ist wichtig, dass die eingesetzten Antibiotika auch gegen diese Keime wirksam sein müssen. Unabhängig davon kann es dennoch nötig sein, dass anderweitig behandelt werden muss, zum Beispiel durch Trepanation und Spülung der Nasennebenhöhlen.